Startseite2022-08-29T21:58:17+02:00

Im Anschluss an eine Matinee „Völkermorde erinnern, Kriege verhindern“ am 15. April 2018 in Köln haben die Initiative „Völkermord erinnern“ und Besucherinnen und Besucher ein Mahnmal enthüllt. Es erinnert nicht nur an den Genozid an den Armeniern in den Jahren 1915-1918, sondern auch an die deutsche Beteiligung daran und fordert grundsätzlich dazu auf, Rassismus und Nationalismus als Ursachen von Völkermorden zu ächten.

Das Mahnmal ist an der linksrheinischen Seite der Hohenzollernbrücke errichtet worden, gegenüber dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., Verantwortlicher für den Völkermord an den OvaHerero und Nama 1904 und Unterstützer des Genozids an den Armeniern.

Das Genozid-Mahnmal wurde von der Stadt Köln am 19. April 2018 abgerissen. Es habe an einer Genehmigung gefehlt. Die Stadt hat in ihrem Schriftsatz gegenüber dem Verwaltungsgericht Köln, das wir angerufen hatten, außerdem argumentiert, das Mahnmal müsse noch vor dem 24. April, dem internationalen Gedenktag an den Genozid, beseitigt werden, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sich „zahlreiche Gegendemonstranten einfinden“ und „die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs an dieser Stelle zeitnah stark beeinträchtigt“ sei. „Angesichts der Vielzahl türkischer Mitbürger in Köln“ sei auch schon 2017, bei der Erlaubnis für den Kreuzstein der armenischen Gemeinde „auf eine Aufstellung im öffentlichen Straßenland aufgrund des hohen Konfliktpotentials bewusst verzichtet worden“. Das Verwaltungsgericht Köln hat die sofortige Entfernung des Genozidmahnmals an der Hohenzollernbrücke nicht beanstandet.

In unserer Antwort beim Verwaltungsgericht hielten wir fest, dass wir diese Argumentation für ein erinnerungspolitisches Armutszeugnis und ein Ausweichen vor Genozidleugnern halten. Sie widerspricht diametral der Aufforderung des Bundestags, der in seiner Resolution vom 2. Juni 2016 die Zivilgesellschaft auffordert, das Gedenken an den armenischen Genozid zu thematisieren.

Zahlreiche Organisationen und Prominente haben sich mittlerweile als PatInnen und UnterstützerInnen für das Mahnmal und für seine Wiedererrichtung ausgesprochen.

Wir richten unsere Anstrengungen weiterhin darauf, möglichst viele zivilgesellschaftliche Kräfte in dem Bemühen zu vereinen, die Stadt Köln solle das Genozid-Mahnmal wieder aufstellen.

Das Mahnmal muss an seinen Platz zurück!

L’initiative « Rappeler le Génocide » ainsi que les visiteurs ont inauguré le 15 avril 2018 à Cologne un monument à la suite d’une matinée sur le thème « Rappeler le génocide, Empêcher les guerres ». Il rappelle non seulement le génocide commis dans les années 1915 – 1918 aux Arméniens mais également la participation allemande et exige de proscrire le racisme et le nationalisme comme la cause des génocides.

Le monument a été érigé sur le bord gauche du pont sur le Rhin, le« Hohenzollernbrücke » en face de la statue du Kaiser Wilhelm II, responsable du génocide des OvaroHerero et Nama en 1904 et soutien du génocide des Arméniens.

Le Monument a été enlevé par la ville de Cologne le 19 avril 2018, pour manque d’autorisation préalable. La ville de Cologne a également argumenté, dans le cadre d’une procédure devant le tribunal administratif de Cologne entamée par nous, que le monument devrait être enlevé avant le 24 avril 2018, jour de la commémoration internationale du génocide aux Arméniens, afin d’éviter « le rassemblement de nombreux contre-manifestants » présentant un fort risque pour « la sécurité et la facilité du trafic à cet endroit ». Au vu de la présence de nombreux citoyens turcs à Cologne, la ville aurait déjà en 2017, lors de la mise en place du « Kreuzstein » de la communauté arménienne, refusé expressément une permission de la mise en place dans le domaine public à cause du potentiel de conflit élevé.

Le tribunal administratif de Cologne n’a pas contesté l’enlèvement immédiat du monument du génocide près de la «Hohenzollernbrücke».

Dans notre réponse au tribunal administratif nous avons souligné que nous jugeons cette argumentation comme insulte à une politique de mémorisation et un recul devant ceux qui nient le génocide. Elle contredit diamétralement la demande du Bundestag qui dans sa résolution du 2 juin 2016 demande à la société civile de thématiser la mémoire du génocide aux Arméniens.

Un grand nombre d’organisations et de personnes importantes de la vie culturelle et intellectuelle se sont déclarées parrain ou soutien pour le monument et sa réinstallation.

Nos efforts continuent afin qu’un grand nombre de personnes de la vie civile se réunisse pour exiger de la ville de Cologne la réinstallation du monument du génocide.

LE MONUMENT DOIT RETOURNER A SA PLACE!

„Den Schmerz der Anderen begreifen“

Gesprächsabend mit Charlotte Wiedemann, Esi Müller & Ilias Uyar

Montag, 17.10.2022 um 19 Uhr im Forum Volkshochschule im Museum am Neumarkt – Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln.

Charlotte Wiedemann entwirft in ihrem aktuellen Buch »Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis« Grundzüge einer transnationalen, gemeinschaftlichen Erinnerungskultur. Sie kritisiert, es fehle in Deutschland an Empathie für die Opfer des Kolonialismus und anderer Menschheitsverbrechen. Auf diesen Gewalttaten beruhe der Reichtum Deutschlands, sie seien bis heute Nährboden für Ausgrenzung und tödlichen Rassismus. Charlotte Wiedemann schreibt: »Den Anderen aus dem gemeinsamen Menschsein auszuschließen, verbindet die beiden Epochen deutscher Gewaltgeschichte: Kaiserreich und Nationalsozialismus.«

Die Autorin stellt ihr Buch vor. Mit ihr sprechen Esi Müller und Ilias Uyar.

21. September 2022|

Ausfall der Veranstaltung am 24. September

Veranstaltungshinweis

Liebe BesucherInnen, wir möchten sie gerne darauf hinweisen, dass unsere monatliche Veranstaltung am 24. September leider ausfallen muss. Wir treffen uns erneut am 17. Oktober um 19 Uhr zu einem Gesprächsabend mit Charlotte Wiedemann, Esi Müller & Ilias Uyar. Weitere Informationen folgen in Kürze.

Veranstaltungshinweis

Liebe BesucherInnen, wir möchten sie gerne darauf hinweisen, dass unsere monatliche Veranstaltung am 24. September <strong>leider ausfallen muss.</strong> Wir treffen uns erneut am 17. Oktober um 19 Uhr zu einem Gesprächsabend mit Charlotte Wiedemann, Esi Müller & Ilias Uyar. Weitere Informationen folgen in Kürze.

20. September 2022|

ereporter: Angriff auf Armenien: Fünf Fragen an Deutschland

Angriff auf Armenien: Fünf Fragen an Deutschland

1. Warum schweigt die Außenministerin?

Über Russlands Angriff auf die Ukraine lässt sich Annalena Baerbock heute vor ihrer Abreise zur UN-Generalversammlung einmal mehr in größtmöglicher Deutlichkeit zitieren.

„Wir stehen fest an der Seite der Ukraine und wir werden sie weiter unterstützen – mit allem was sie braucht – damit der Krieg und das unermessliche Leid der Menschen in der Ukraine ein Ende finden. In New York wird es insbesondere auch darum gehen, wie die grauenvollen Verbrechen, die im Namen Russlands in der Ukraine begangen werden, aufgearbeitet und verfolgt werden können.“ – Annalena Baerbock

Im Falle von Aserbaidschans Angriff auf Armenien hat sich die Bundesaußenministerin seit nunmehr einer Woche noch mit keinem einzigen Wort geäußert. Dabei ließe sich das vorstehende Statement angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs Aserbaidschans auf armenisches Kernland sowie der dabei verübten Gräueltaten ohne Weiteres auch auf diese beiden Länder anwenden. Wo ist die „wertegeleitete“ und „feministische“ Außenpolitik der Grünen-Politikerin, wenn in diesen Tagen weit über 100 Armenier massakriert und Frauen zerstückelt werden?

2. Warum unterstützt Deutschland zwei Diktaturen gegen zwei Demokratien?

Die Präsidenten Aliyev und Erdogan gefallen sich in der Verherrlichung des türkischen Genozids von 1915 an 1,5 Millionen Armeniern: Auf ihrer gemeinsamen „Siegesfeier“ nach dem Angriff auf Bergkarabach im Jahr 2020 ließ Erdogan einen der Haupttäter hochleben und bezeichnete die armenischen Christen als „Ungläubige“. Aliyev nennt sie regelmäßig „Hunde“ – bei Genozidforschern schrillen da alle Alarmglocken. Nicht so bei der EU Kommissionspräsidentin, welche für den Gaseinkauf in Aserbaidschan lieber ganz auf kritische Anmerkungen zur Menschenrechtslage verzichtet. Auch Deutschland fällt derzeit mehr mit fragwürdigen Militärpartnerschaften sowie Äquidistanz denn mit Kritik oder gar Sanktionen auf. Ein fatales Signal, das auf eine de facto Unterstützung der Angreifer hinausläuft.

Dabei schneidet Aserbaidschan in Bezug auf Pressefreiheit und bürgerliche Freiheiten noch weit schlechter als Russland ab, während in der Türkei von Rechtsstaatlichkeit oder Meinungsfreiheit auch keine Rede mehr sein kann. Armenien hat sich dagegen in einer „Samtenen Revolution“ bereits im Jahr 2018 – ähnlich der Ukraine – demokratisch entwickelt, was am Wochenende US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi bei ihrem Besuch hervorhob. Auch das international nicht anerkannte Arzach wird demokratisch verwaltet.

3. Warum berichten viele Medien falsch oder gar nicht?

Die Berichterstattung in deutschen Medien ist angesichts der offen ausgesprochenen, genozidalen Vernichtungsabsichten der Türkei und Aserbaidschans gegen den ältesten christlichten Staat der Welt geradezu grotesk fehlerhaft und unzureichend: Ausgerechnet das Völkerrecht wird oftmals bemüht, demzufolge Bergkarabach zu Aserbaidschan gehöre. Einmal ganz abgesehen davon, dass dies schlichtweg unzutreffend ist – Aliyev zählt darüber hinaus öffentlich sogar die armenische Hauptstadt Jerewan zu seinem Staatsgebiet. Mehr Klarheit geht nicht: Armenien soll vernichtet werden.

Auch die Art und Weise der Kriegsführung gegen einen militärisch deutlich unterlegenen Gegner – etwa beim Angriff auf Bergkarabach vor zwei Jahren – ist durchweg menschenverachtend und illegal.

„Menschenrechtsorganisationen berichten von Streubomben gegen die Zivilbevölkerung, von gezielten Angriffen auf Krankenhäuser und Kirchen, weil sie christliche Kreuze trugen. Kriegsgefangene Armenier sollen gefoltert und dabei gefilmt worden sein. Bei der OSZE und der UNO werden derzeit Berichte von Enthauptungen von Soldaten und Verstümmelung von Leichen geprüft.“ – Wolfram Reimer 2020 in n-tv

4. Warum gibt es in Deutschland keine Denkmäler für den Völkermord?

Die strategischen Interessen der EU Kommission sowie der Bundesregierung am vermeintlichen NATO-Partner Türkei und am Gas-Lieferanten Aserbaidschan sind so klar wie kurzsichtig. Doch warum bleibt die Zivilgesellschaft merkwürdig still? Nun, sie weiß es einfach oft nicht besser.

Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern durch die Bewegung der „Jungtürken“ wurde 1915 mit logistischer und militärischer Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs ermöglicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund versucht eine Initiative bereits seit Jahren, in Köln ein Mahnmal für den Genozid aufzustellen. Die Stadt baut es regelmäßig wieder ab. In Sichtweite darf derweil Kaiser Wilhelm II. auf dem Sockel bleiben.

An der Hardenbergstraße in Berlin erinnert heute ebenfalls nichts daran, dass hier einst ein türkischer Völkermörder im deutschen Exil erschossen wurde.

5. Warum fehlt der Genozid im Geschichtsunterricht?

Soldaten des Deutschen Kaiserreichs halfen den Türken vielfach bei der Ermordung der christlichen Zivilbevölkerung. Rund 20 Jahre später nahm Hitler unmittelbar vor dem Überfall auf Polen gegenüber Generälen der Wehrmacht ausdrücklich Bezug auf den Völkermord an den Armeniern. In einer Geheimrede erklärte er ihn zum Vorbild für den eigenen Vernichtungskrieg.

„So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ – Adolf Hitler am 22.08.1939

Es gäbe also mehr als genug Gründe, das Thema in den Geschichtsunterricht aufzunehmen. Doch verbindliche Leitlinien dafür fehlen – aufgrund politischer Einflussnahme der Türkei und offenbar auch aus Sorge um die Reaktionen türkischer Schüler und ihrer Eltern. In der Türkei sind derweil Straßen und Schulen nach den Tätern benannt.

Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern ist im Unterschied zum Holocaust in Deutschland möglich. Frankreich, Griechenland, Zypern und die Slowakei haben dagegen auch die Leugnung dieses Genozids unter Strafe gestellt.

Artikel lesen (ereporter)

Angriff auf Armenien: Fünf Fragen an Deutschland

1. Warum schweigt die Außenministerin?

Über Russlands Angriff auf die Ukraine lässt sich Annalena Baerbock heute vor ihrer Abreise zur UN-Generalversammlung einmal mehr in größtmöglicher Deutlichkeit zitieren.

„Wir stehen fest an der Seite der Ukraine und wir werden sie weiter unterstützen – mit allem was sie braucht – damit der Krieg und das unermessliche Leid der Menschen in der Ukraine ein Ende finden. In New York wird es insbesondere auch darum gehen, wie die grauenvollen Verbrechen, die im Namen Russlands in der Ukraine begangen werden, aufgearbeitet und verfolgt werden können.“ – Annalena Baerbock

Im Falle von Aserbaidschans Angriff auf Armenien hat sich die Bundesaußenministerin seit nunmehr einer Woche noch mit keinem einzigen Wort geäußert. Dabei ließe sich das vorstehende Statement angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs Aserbaidschans auf armenisches Kernland sowie der dabei verübten Gräueltaten ohne Weiteres auch auf diese beiden Länder anwenden. Wo ist die „wertegeleitete“ und „feministische“ Außenpolitik der Grünen-Politikerin, wenn in diesen Tagen weit über 100 Armenier massakriert und Frauen zerstückelt werden?

2. Warum unterstützt Deutschland zwei Diktaturen gegen zwei Demokratien?

Die Präsidenten Aliyev und Erdogan gefallen sich in der Verherrlichung des türkischen Genozids von 1915 an 1,5 Millionen Armeniern: Auf ihrer gemeinsamen „Siegesfeier“ nach dem Angriff auf Bergkarabach im Jahr 2020 ließ Erdogan einen der Haupttäter hochleben und bezeichnete die armenischen Christen als „Ungläubige“. Aliyev nennt sie regelmäßig „Hunde“ – bei Genozidforschern schrillen da alle Alarmglocken. Nicht so bei der EU Kommissionspräsidentin, welche für den Gaseinkauf in Aserbaidschan lieber ganz auf kritische Anmerkungen zur Menschenrechtslage verzichtet. Auch Deutschland fällt derzeit mehr mit fragwürdigen Militärpartnerschaften sowie Äquidistanz denn mit Kritik oder gar Sanktionen auf. Ein fatales Signal, das auf eine de facto Unterstützung der Angreifer hinausläuft.

Dabei schneidet Aserbaidschan in Bezug auf Pressefreiheit und bürgerliche Freiheiten noch weit schlechter als Russland ab, während in der Türkei von Rechtsstaatlichkeit oder Meinungsfreiheit auch keine Rede mehr sein kann. Armenien hat sich dagegen in einer „Samtenen Revolution“ bereits im Jahr 2018 – ähnlich der Ukraine – demokratisch entwickelt, was am Wochenende US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi bei ihrem Besuch hervorhob. Auch das international nicht anerkannte Arzach wird demokratisch verwaltet.

3. Warum berichten viele Medien falsch oder gar nicht?

Die Berichterstattung in deutschen Medien ist angesichts der offen ausgesprochenen, genozidalen Vernichtungsabsichten der Türkei und Aserbaidschans gegen den ältesten christlichten Staat der Welt geradezu grotesk fehlerhaft und unzureichend: Ausgerechnet das Völkerrecht wird oftmals bemüht, demzufolge Bergkarabach zu Aserbaidschan gehöre. Einmal ganz abgesehen davon, dass dies schlichtweg unzutreffend ist – Aliyev zählt darüber hinaus öffentlich sogar die armenische Hauptstadt Jerewan zu seinem Staatsgebiet. Mehr Klarheit geht nicht: Armenien soll vernichtet werden.

Auch die Art und Weise der Kriegsführung gegen einen militärisch deutlich unterlegenen Gegner – etwa beim Angriff auf Bergkarabach vor zwei Jahren – ist durchweg menschenverachtend und illegal.

„Menschenrechtsorganisationen berichten von Streubomben gegen die Zivilbevölkerung, von gezielten Angriffen auf Krankenhäuser und Kirchen, weil sie christliche Kreuze trugen. Kriegsgefangene Armenier sollen gefoltert und dabei gefilmt worden sein. Bei der OSZE und der UNO werden derzeit Berichte von Enthauptungen von Soldaten und Verstümmelung von Leichen geprüft.“ – Wolfram Reimer 2020 in n-tv

4. Warum gibt es in Deutschland keine Denkmäler für den Völkermord?

Die strategischen Interessen der EU Kommission sowie der Bundesregierung am vermeintlichen NATO-Partner Türkei und am Gas-Lieferanten Aserbaidschan sind so klar wie kurzsichtig. Doch warum bleibt die Zivilgesellschaft merkwürdig still? Nun, sie weiß es einfach oft nicht besser.

Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern durch die Bewegung der „Jungtürken“ wurde 1915 mit logistischer und militärischer Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs ermöglicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund versucht eine Initiative bereits seit Jahren, in Köln ein Mahnmal für den Genozid aufzustellen. Die Stadt baut es regelmäßig wieder ab. In Sichtweite darf derweil Kaiser Wilhelm II. auf dem Sockel bleiben.

An der Hardenbergstraße in Berlin erinnert heute ebenfalls nichts daran, dass hier einst ein türkischer Völkermörder im deutschen Exil erschossen wurde.

5. Warum fehlt der Genozid im Geschichtsunterricht?

Soldaten des Deutschen Kaiserreichs halfen den Türken vielfach bei der Ermordung der christlichen Zivilbevölkerung. Rund 20 Jahre später nahm Hitler unmittelbar vor dem Überfall auf Polen gegenüber Generälen der Wehrmacht ausdrücklich Bezug auf den Völkermord an den Armeniern. In einer Geheimrede erklärte er ihn zum Vorbild für den eigenen Vernichtungskrieg.

„So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ – Adolf Hitler am 22.08.1939

Es gäbe also mehr als genug Gründe, das Thema in den Geschichtsunterricht aufzunehmen. Doch verbindliche Leitlinien dafür fehlen – aufgrund politischer Einflussnahme der Türkei und offenbar auch aus Sorge um die Reaktionen türkischer Schüler und ihrer Eltern. In der Türkei sind derweil Straßen und Schulen nach den Tätern benannt.

Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern ist im Unterschied zum Holocaust in Deutschland möglich. Frankreich, Griechenland, Zypern und die Slowakei haben dagegen auch die Leugnung dieses Genozids unter Strafe gestellt.

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20. September 2022|

Mahnmalstunde am 24. August

Wir haben uns am 24. August 2022 erneut zu einer Mahnmalstunde an der Leerstelle getroffen, wie jeden 24. des Monats. Nach einem kurzen Bericht über den Verhandlungsstand mit der Stadt Köln, gab es Musik und es wurde ein Text aus dem Buch von Ch.Wiedemann verlesen, „Den Schmerz der anderen begreifen, Holocaust und Weltgedächnis“. Mit Charlotte Wiedemann und anderen wird es am 17. Oktober um 19 Uhr eine Veranstaltung im VHS Forum, im Rautenstrauch-Jost Museum geben.

Anschließend sprach Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus: Hier finden Sie Ihre Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk.

Wir danken**allen Beteiligten und sehen uns am 24. September um 18 Uhr an der Leerstelle des Mahnmals.

Wir haben uns am 24.8.22 erneut zu einer Mahnmalstunde an der Leerstelle getroffen, wie jeden 24. des Monats. Nach einem kurzen Bericht über den Verhandlungsstand mit der Stadt Köln, gab es Musik und es wurde ein Text aus dem Buch von Ch.Wiedemann verlesen, „Den Schmerz der anderen begreifen, Holocaust und Weltgedächnis“. Mit Charlotte Wiedemann und anderen wird es am 17.10. um 19 Uhr eine Veranstaltung im VHS Forum, im Rautenstrauch-Jost Museum geben.

Anschließend sprach Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus: Hier finden Sie Ihre „Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk“.

Wir danken**allen Beteiligten und sehen uns am 24.9. um 18 Uhr an der Leerstelle des Mahnmals.

30. August 2022|

Claudia Wörmann-Adam: Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk

Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk

gehalten von Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus am 24.8.2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Wir stehen hier an der Stelle, an der mit einem Denkmal an den Genozid am armenischen Volk erinnert werden soll. Es soll erinnern an das Menschheitsverbrechen von 1915-1916, das die Armenier „Aghet“: die Katastrophe, nennen. Es war der zweite systematische Völkermord des 20. Jahrhundert nach dem Genozid in Afrika an den Herero und Nama begangen durch die damalige Kolonialmacht Deutschland in den Jahren 1904-1908. Das Denkmal für die Armenier hat einen Namen: „Dieser Schmerz betrifft uns alle.“

Bei den Massakern und Todesmärschen in der Türkei kamen bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Bei Pogromen in den Jahrzehnten zuvor schätzt man, dass bis zu 300.000 Menschen zu Tode kamen.

Die offizielle türkische Geschichtsschreibung leugnet bis heute diesen Völkermord. Der armenischen Bevölkerung wurde im Zusammenhang mit verlorenen Schlachten der türkischen Armee pauschal „Sabotage“ unterstellt.

Sie wurde – ähnlich wie die jüdische Bevölkerung in vielen Staaten Europas und ganz speziell Deutschland – zum Sündenbock gemacht. Es entstand – wie in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg – eine Art „Dolchstoßlegende“ die den Armeniern die Schuld an den militärischen Niederlagen des türkischen Heers gegen Russland zuwies.

Die Entente-Mächte Russland, England und Frankreich protestierten gegen die Verfolgung der armenischen Bevölkerung und bezeichneten die Massaker als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Als Reaktion darauf erließ die türkische Regierung ein Deportationsgesetz.

Die armenische Bevölkerung, die noch nicht massakriert worden war, vor allem Frauen, Kinder und Alte, wurden ohne Nahrung und ohne Wasser auf Todesmärschen in die Wüste Richtung Aleppo deportiert. Vorher wurden sie enteignet, ihr Eigentum geplündert. Ein spezielles Gesetz verbot es sogar, Armeniern Nahrungsmittel zu geben. Das Ziel war, „alle nicht-türkischen Ethnien aus Kleinasien zu eliminieren,“ (das) „ausschließlich für die türkische Bevölkerung dienen sollte“. Diese Todesmärsche beschrieb der österreichische Autor jüdischer Herkunft, Franz Werfel, in seinem monumentalen Epos »Die vierzig Tage des Musa Dagh« als „wandernde Konzentrationslager“.

Ein deutscher Verbindungsoffizier, Eberhard Graf Wolfskeel von Reichenberg, befehligte die Niederschlagung von drei Aufständen der armenischen Bevölkerung gegen das Unrecht, das man ihnen durch die türkische Regierung antat. An der Logistik der Deportationen war das deutsche Militär beteiligt. Mit der von den Deutschen gebauten und kontrollierten Eisenbahnlinie wurden die Menschen in Viehwagen in die Wüste deportiert.

Am 7. Juli 1915 schickte der damalige deutsche Botschafter in Konstantinopel, Hans Freiherr von Wangenheim, einen Bericht nach Berlin. Aus diesem Bericht ging klar hervor: die deutschen Diplomaten und Militärs im osmanischen Reich wussten, dass an der armenischen Minderheit ein Völkermord stattfindet. „Die Umstände und die Art, wie die Umsiedlung durchgeführt wird“, schrieb Wangenheim an Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, zeigten, „dass die türkische Regierung tatsächlich den Zweck verfolge, die armenische Rasse im türkischen Reich zu vernichten“.

Doch Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg wollte davon nichts wissen. Kategorisch entschied er: „unser einziges Ziel ist es, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Bei länger andauerndem Krieg werden wir die Türken noch sehr brauchen.“

Über diesen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg heißt es im Wikipedia- Eintrag, dass er „liberale Auffassungen“ vertrat und „der fortschrittlichen Volkspartei nahestand, seine ethische Werthaltung und seine fortschrittliche Grundhaltung galten vielen als Leitlinie der deutschen Politik“.

Ein sonderbares Verständnis von Fortschritt und ethischer Wertehaltung.

Innertürkische Kritiker*innen der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung mussten und müssen bis heute mit Verfolgung rechnen. Wer über das Massaker an der armenischen Bevölkerung berichtet, und es als das bezeichnet, was es war, einen Völkermord, begangen durch den türkischen Staat, begeht einen Gesetzesverstoß, der als „Beleidigung der türkischen Nation“ bezeichnet und verfolgt wird. Zu den Betroffenen dieses Gesetzes gehörten und gehören häufig Journalisten wie Hrant Dink, der auf offener Straße von türkischen Nationalisten erschossen wurde, oder Schriftsteller wie Orhan Pamuk und unser im letzten Jahr verstorbener Freund Doğan Akhanli.

Der Völkermord an den Armeniern wurde, wie der Historiker Wolfgang Benz es formulierte „planmäßig und kaltblütig in Szene gesetzt, als Ergebnis systematischer Planung“.

Erst 2015 – 100 Jahre später – bezeichnete der damalige Bundespräsident Joachim Gauck das Massaker als Völkermord; ein Jahr später anerkannte dies auch der Deutsche Bundestag. Er bedauerte die „unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs, dass trotz eindeutiger Informationen nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen“.

In all den vielen Jahren seit 1916 hat die Politik in Deutschland hierzu geschwiegen und die deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Diese Haltung des Negierens und Ignorierens hat dazu geführt, dass Adolf Hitler in seiner 2. Rede vor den Oberkommandierenden der Deutschen Wehrmacht am 22. August 1939 – also vor nunmehr genau 83 Jahren – auf dem Obersalzberg in Vorbereitung auf den Holocaust die von ihm rhetorisch gemeinte Frage stellte: „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Es gibt viele Parallelen zwischen der Verfolgung und Vernichtung der armenischen und der jüdischen Bevölkerung. Beide Gruppen haben schon vielfach die Erfahrung von Pogromen machen müssen. Und es kommt nicht von ungefähr, dass jüdische Autoren wie Franz Werfel, Ossip Mandelstam, Edgar Hilsenrath und der jüdische Autor, Journalist und Filmemacher, unser langjähriges Vereinsmitglied, Ralph Giordano, sich mit dem Genozid am armenischen Volk befasst haben.
Franz Werfel schrieb »Die 40 Tage des Musa Dagh« um, wie er es nannte, „das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“

Auch dem russischen Dichter Ossip Mandelstam entgingen nicht die Gemeinsamkeiten zwischen dem Schicksal der Juden und dem der Armenier: Unterdrückung, Verfolgung, Pogrome. Er schrieb einen Reisebericht und einen Gedichtzyklus über Armenien und seine Bevölkerung. Er starb, von Stalin brutal verfolgt, elendig in einem russischen Arbeitslager.

Edgar Hilsenrath schrieb »Das Märchen vom letzten Gedanken« über den Völkermord an den Armeniern. Er und seine Familie – selbst Opfer der Judenverfolgung der Nazis – recherchierte – wie Franz Werfel vor ihm – jahrelang zu diesem Genozid und, als er dann das Buch schrieb, so erzählte er später, „fühlte ich mich wie ein Armenier“.

Ralph Giordano, auch er Überlebender des Holocausts wie Hilsenrath, wurde Chronist der Völkermorde an den Juden, an den Sinti und Roma und mit seinem 1986 produziertem Film „die armenische Frage existiert nicht mehr“ ebenfalls zum Chronisten des Genozids an den Armeniern. Er sagte in diesem Zusammenhang „die armenische Sache aber war längst zu meiner geworden“. Sein Film wurde ein großer Stein des Anstoßes für nationalistische Türken. Giordano erhielt zahlreiche Morddrohungen nach der Ausstrahlung im WDR. Der Film verschwand lange Zeit in der Versenkung aber man kann ihn jetzt wieder sehen auf »YouTube«!

Auch türkische Autoren setzen sich mit der Geschichte dieses Genozids auseinander. Der große türkische Poet Nazim Hikmet formulierte in seinem Gedicht »Die Abendwanderung« über dieses Verbrechen „dieses Schandmal auf der Stirn des türkischen Volkes“.

Orhan Pamuk, der 1. türkische Literaturnobelpreisträger, stellte öffentlich fest, dass in der Türkei 30.000 Kurden und eine Million Armenier ermordet worden seien. Damit habe Pamuk, so stellten Richter eines Berufungsgerichtes fest, „die Persönlichkeitsrechte türkischer Staatsbürger verletzt“.

Dogan Akhanli hat sich u.a. in seinem Buch »Die Richter des Jüngsten Gerichts« mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandergesetzt, sicherlich hat auch das den Hass der türkischen Nationalisten und Politiker gegen ihn weiter angestachelt.

Nun stehen wir heute hier und fordern von der Stadt Köln und den politisch verantwortlichen Vertreterinnen und Vertretern der demokratischen Parteien im Kölner Stadtrat, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid an den Armeniern wieder installiert wird und zwar genau hier zwischen dem grandiosen Denkmal von Dani Karavan „Ma‘alot“ und in Sichtachse zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., dem obersten Repräsentanten des »Deutschen Reichs« in den Zeiten der beiden Genozide an den Herero und Nama und an den Armeniern.

Es gibt nicht wenige Persönlichkeiten und Initiativen die fordern, dass solche Denkmäler wie das von Wilhelm II. aus dem öffentlichen Raum verschwinden sollen. Ich finde diese Diskussionen richtig und wichtig, habe allerdings bisher persönlich noch keine endgültig abgeschlossene Meinung dazu. Ich könnte mir auch vorstellen, Wilhelm II. von seinem Sockel zu holen oder besser gesagt ihn von seinem hohen Ross zu holen, nicht nur symbolisch, sondern ihn tatsächlich zu entthronen und neben ihm eine Tafel mit kritischen historischen Erläuterungen seiner Verantwortung für vielerlei Verbrechen zu installieren.

Wir als Verein EL-DE-Haus – Förderverein des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln – haben von Anbeginn an das Anliegen der Initiative „Völkermord erinnern“ unterstützt. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses als Verein sich einzusetzen für die Ächtung von Rassismus, von Antisemitismus und von Nationalismus und für die bleibende Erinnerung an den Holocaust, an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma, an die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen, an die Verfolgung und Ermordung kranker Menschen und anderer vom Nazi-Unrecht betroffener Menschen.

Genau deshalb fordern wir als EL-DE-Haus Verein von der Stadt Köln und den politisch Verantwortlichen in dieser Stadt, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid der Armenier hier wieder errichtet werden soll!

Die Geschichte des Gedenkens und Erinnerns in Köln und anderswo in Deutschland und Europa war immer die des Engagements politisch bewusster Bürgerinnen und Bürger; nur dadurch gibt es in Köln das NS-Dokumentationszentrum, die Stolpersteine, das Denkmal für die Deserteure und einiges mehr. Dafür braucht es langen Atem und manches Mal auch zivilen Ungehorsam: aber aus eigener Anschauung kann ich sagen: es lohnt sich für die gerechte Sache zu kämpfen.

Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk

gehalten von Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus am 24.8.2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Wir stehen hier an der Stelle, an der mit einem Denkmal an den Genozid am armenischen Volk erinnert werden soll. Es soll erinnern an das Menschheitsverbrechen von 1915-1916, das die Armenier „Aghet“: die Katastrophe, nennen. Es war der zweite systematische Völkermord des 20. Jahrhundert nach dem Genozid in Afrika an den Herero und Nama begangen durch die damalige Kolonialmacht Deutschland in den Jahren 1904-1908. Das Denkmal für die Armenier hat einen Namen: „Dieser Schmerz betrifft uns alle.“

Bei den Massakern und Todesmärschen in der Türkei kamen bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Bei Pogromen in den Jahrzehnten zuvor schätzt man, dass bis zu 300.000 Menschen zu Tode kamen.

Die offizielle türkische Geschichtsschreibung leugnet bis heute diesen Völkermord. Der armenischen Bevölkerung wurde im Zusammenhang mit verlorenen Schlachten der türkischen Armee pauschal „Sabotage“ unterstellt.

Sie wurde – ähnlich wie die jüdische Bevölkerung in vielen Staaten Europas und ganz speziell Deutschland – zum Sündenbock gemacht. Es entstand – wie in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg – eine Art „Dolchstoßlegende“ die den Armeniern die Schuld an den militärischen Niederlagen des türkischen Heers gegen Russland zuwies.

Die Entente-Mächte Russland, England und Frankreich protestierten gegen die Verfolgung der armenischen Bevölkerung und bezeichneten die Massaker als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Als Reaktion darauf erließ die türkische Regierung ein Deportationsgesetz.

Die armenische Bevölkerung, die noch nicht massakriert worden war, vor allem Frauen, Kinder und Alte, wurden ohne Nahrung und ohne Wasser auf Todesmärschen in die Wüste Richtung Aleppo deportiert. Vorher wurden sie enteignet, ihr Eigentum geplündert. Ein spezielles Gesetz verbot es sogar, Armeniern Nahrungsmittel zu geben. Das Ziel war, „alle nicht-türkischen Ethnien aus Kleinasien zu eliminieren,“ (das) „ausschließlich für die türkische Bevölkerung dienen sollte“. Diese Todesmärsche beschrieb der österreichische Autor jüdischer Herkunft, Franz Werfel, in seinem monumentalen Epos »Die vierzig Tage des Musa Dagh« als „wandernde Konzentrationslager“.

Ein deutscher Verbindungsoffizier, Eberhard Graf Wolfskeel von Reichenberg, befehligte die Niederschlagung von drei Aufständen der armenischen Bevölkerung gegen das Unrecht, das man ihnen durch die türkische Regierung antat. An der Logistik der Deportationen war das deutsche Militär beteiligt. Mit der von den Deutschen gebauten und kontrollierten Eisenbahnlinie wurden die Menschen in Viehwagen in die Wüste deportiert.

Am 7. Juli 1915 schickte der damalige deutsche Botschafter in Konstantinopel, Hans Freiherr von Wangenheim, einen Bericht nach Berlin. Aus diesem Bericht ging klar hervor: die deutschen Diplomaten und Militärs im osmanischen Reich wussten, dass an der armenischen Minderheit ein Völkermord stattfindet. „Die Umstände und die Art, wie die Umsiedlung durchgeführt wird“, schrieb Wangenheim an Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, zeigten, „dass die türkische Regierung tatsächlich den Zweck verfolge, die armenische Rasse im türkischen Reich zu vernichten“.

Doch Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg wollte davon nichts wissen. Kategorisch entschied er: „unser einziges Ziel ist es, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Bei länger andauerndem Krieg werden wir die Türken noch sehr brauchen.“

Über diesen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg heißt es im Wikipedia- Eintrag, dass er „liberale Auffassungen“ vertrat und „der fortschrittlichen Volkspartei nahestand, seine ethische Werthaltung und seine fortschrittliche Grundhaltung galten vielen als Leitlinie der deutschen Politik“.

Ein sonderbares Verständnis von Fortschritt und ethischer Wertehaltung.

Innertürkische Kritiker*innen der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung mussten und müssen bis heute mit Verfolgung rechnen. Wer über das Massaker an der armenischen Bevölkerung berichtet, und es als das bezeichnet, was es war, einen Völkermord, begangen durch den türkischen Staat, begeht einen Gesetzesverstoß, der als „Beleidigung der türkischen Nation“ bezeichnet und verfolgt wird. Zu den Betroffenen dieses Gesetzes gehörten und gehören häufig Journalisten wie Hrant Dink, der auf offener Straße von türkischen Nationalisten erschossen wurde, oder Schriftsteller wie Orhan Pamuk und unser im letzten Jahr verstorbener Freund Doğan Akhanli.

Der Völkermord an den Armeniern wurde, wie der Historiker Wolfgang Benz es formulierte „planmäßig und kaltblütig in Szene gesetzt, als Ergebnis systematischer Planung“.

Erst 2015 – 100 Jahre später – bezeichnete der damalige Bundespräsident Joachim Gauck das Massaker als Völkermord; ein Jahr später anerkannte dies auch der Deutsche Bundestag. Er bedauerte die „unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs, dass trotz eindeutiger Informationen nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen“.

In all den vielen Jahren seit 1916 hat die Politik in Deutschland hierzu geschwiegen und die deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Diese Haltung des Negierens und Ignorierens hat dazu geführt, dass Adolf Hitler in seiner 2. Rede vor den Oberkommandierenden der Deutschen Wehrmacht am 22. August 1939 – also vor nunmehr genau 83 Jahren – auf dem Obersalzberg in Vorbereitung auf den Holocaust die von ihm rhetorisch gemeinte Frage stellte: „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Es gibt viele Parallelen zwischen der Verfolgung und Vernichtung der armenischen und der jüdischen Bevölkerung. Beide Gruppen haben schon vielfach die Erfahrung von Pogromen machen müssen. Und es kommt nicht von ungefähr, dass jüdische Autoren wie Franz Werfel, Ossip Mandelstam, Edgar Hilsenrath und der jüdische Autor, Journalist und Filmemacher, unser langjähriges Vereinsmitglied, Ralph Giordano, sich mit dem Genozid am armenischen Volk befasst haben.
Franz Werfel schrieb »Die 40 Tage des Musa Dagh« um, wie er es nannte, „das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“

Auch dem russischen Dichter Ossip Mandelstam entgingen nicht die Gemeinsamkeiten zwischen dem Schicksal der Juden und dem der Armenier: Unterdrückung, Verfolgung, Pogrome. Er schrieb einen Reisebericht und einen Gedichtzyklus über Armenien und seine Bevölkerung. Er starb, von Stalin brutal verfolgt, elendig in einem russischen Arbeitslager.

Edgar Hilsenrath schrieb »Das Märchen vom letzten Gedanken« über den Völkermord an den Armeniern. Er und seine Familie – selbst Opfer der Judenverfolgung der Nazis – recherchierte – wie Franz Werfel vor ihm – jahrelang zu diesem Genozid und, als er dann das Buch schrieb, so erzählte er später, „fühlte ich mich wie ein Armenier“.

Ralph Giordano, auch er Überlebender des Holocausts wie Hilsenrath, wurde Chronist der Völkermorde an den Juden, an den Sinti und Roma und mit seinem 1986 produziertem Film „die armenische Frage existiert nicht mehr“ ebenfalls zum Chronisten des Genozids an den Armeniern. Er sagte in diesem Zusammenhang „die armenische Sache aber war längst zu meiner geworden“. Sein Film wurde ein großer Stein des Anstoßes für nationalistische Türken. Giordano erhielt zahlreiche Morddrohungen nach der Ausstrahlung im WDR. Der Film verschwand lange Zeit in der Versenkung aber man kann ihn jetzt wieder sehen auf »YouTube«!

Auch türkische Autoren setzen sich mit der Geschichte dieses Genozids auseinander. Der große türkische Poet Nazim Hikmet formulierte in seinem Gedicht »Die Abendwanderung« über dieses Verbrechen „dieses Schandmal auf der Stirn des türkischen Volkes“.

Orhan Pamuk, der 1. türkische Literaturnobelpreisträger, stellte öffentlich fest, dass in der Türkei 30.000 Kurden und eine Million Armenier ermordet worden seien. Damit habe Pamuk, so stellten Richter eines Berufungsgerichtes fest, „die Persönlichkeitsrechte türkischer Staatsbürger verletzt“.

Dogan Akhanli hat sich u.a. in seinem Buch »Die Richter des Jüngsten Gerichts« mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandergesetzt, sicherlich hat auch das den Hass der türkischen Nationalisten und Politiker gegen ihn weiter angestachelt.

Nun stehen wir heute hier und fordern von der Stadt Köln und den politisch verantwortlichen Vertreterinnen und Vertretern der demokratischen Parteien im Kölner Stadtrat, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid an den Armeniern wieder installiert wird und zwar genau hier zwischen dem grandiosen Denkmal von Dani Karavan „Ma‘alot“ und in Sichtachse zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., dem obersten Repräsentanten des »Deutschen Reichs« in den Zeiten der beiden Genozide an den Herero und Nama und an den Armeniern.

Es gibt nicht wenige Persönlichkeiten und Initiativen die fordern, dass solche Denkmäler wie das von Wilhelm II. aus dem öffentlichen Raum verschwinden sollen. Ich finde diese Diskussionen richtig und wichtig, habe allerdings bisher persönlich noch keine endgültig abgeschlossene Meinung dazu. Ich könnte mir auch vorstellen, Wilhelm II. von seinem Sockel zu holen oder besser gesagt ihn von seinem hohen Ross zu holen, nicht nur symbolisch, sondern ihn tatsächlich zu entthronen und neben ihm eine Tafel mit kritischen historischen Erläuterungen seiner Verantwortung für vielerlei Verbrechen zu installieren.

Wir als Verein EL-DE-Haus – Förderverein des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln – haben von Anbeginn an das Anliegen der Initiative „Völkermord erinnern“ unterstützt. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses als Verein sich einzusetzen für die Ächtung von Rassismus, von Antisemitismus und von Nationalismus und für die bleibende Erinnerung an den Holocaust, an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma, an die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen, an die Verfolgung und Ermordung kranker Menschen und anderer vom Nazi-Unrecht betroffener Menschen.

Genau deshalb fordern wir als EL-DE-Haus Verein von der Stadt Köln und den politisch Verantwortlichen in dieser Stadt, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid der Armenier hier wieder errichtet werden soll!

Die Geschichte des Gedenkens und Erinnerns in Köln und anderswo in Deutschland und Europa war immer die des Engagements politisch bewusster Bürgerinnen und Bürger; nur dadurch gibt es in Köln das NS-Dokumentationszentrum, die Stolpersteine, das Denkmal für die Deserteure und einiges mehr. Dafür braucht es langen Atem und manches Mal auch zivilen Ungehorsam: aber aus eigener Anschauung kann ich sagen: es lohnt sich für die gerechte Sache zu kämpfen.

29. August 2022|
Redebeiträge
Medienberichte
Unterstützerbriefe
Im Anschluss an eine Matinee „Völkermorde erinnern, Kriege verhindern“ am 15. April in Köln haben die Initiative „Völkermord erinnern“ und Besucherinnen und Besucher ein Mahnmal enthüllt. Es erinnert nicht nur an den Genozid an den Armeniern in den Jahren 1915-1918, sondern auch an die deutsche Beteiligung daran und fordert grundsätzlich dazu auf, Rassismus und Nationalismus als Ursachen von Völkermorden zu ächten.

Das Mahnmal ist an der linksrheinischen Seite der Hohenzollernbrücke errichtet worden, gegenüber dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., Verantwortlicher für den Völkermord an den OvaHerero und Nama 1904 und Unterstützer des Genozids an den Armeniern.

Das Genozid-Mahnmal wurde von der Stadt Köln am 19. April 2018 abgerissen. Es habe an einer Genehmigung gefehlt. Die Stadt hat in ihrem Schriftsatz gegenüber dem Verwaltungsgericht Köln, das wir angerufen hatten, außerdem argumentiert, das Mahnmal müsse noch vor dem 24. April, dem internationalen Gedenktag an den Genozid, beseitigt werden, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sich „zahlreiche Gegendemonstranten einfinden“ und „die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs an dieser Stelle zeitnah stark beeinträchtigt“ sei. „Angesichts der Vielzahl türkischer Mitbürger in Köln“ sei auch schon 2017, bei der Erlaubnis für den Kreuzstein der armenischen Gemeinde „auf eine Aufstellung im öffentlichen Straßenland aufgrund des hohen Konfliktpotentials bewusst verzichtet worden“. Das Verwaltungsgericht Köln hat die sofortige Entfernung des Genozidmahnmals an der Hohenzollernbrücke nicht beanstandet.

In unserer Antwort beim Verwaltungsgericht hielten wir fest, dass wir diese Argumentation für ein erinnerungspolitisches Armutszeugnis und ein Ausweichen vor Genozidleugnern halten. Sie widerspricht diametral der Aufforderung des Bundestags, der in seiner Resolution vom 2. Juni 2016 die Zivilgesellschaft auffordert, das Gedenken an den armenischen Genozid zu thematisieren.

Zahlreiche Organisationen und Prominente haben sich mittlerweile als PatInnen und UnterstützerInnen für das Mahnmal und für seine Wiedererrichtung ausgesprochen.

Wir richten unsere Anstrengungen weiterhin darauf, möglichst viele zivilgesellschaftliche Kräfte in dem Bemühen zu vereinen, die Stadt Köln solle das Genozid-Mahnmal wieder aufstellen.

Das Mahnmal muss an seinen Platz zurück!

L’initiative « Rappeler le Génocide » ainsi que les visiteurs ont inauguré le 15 avril 2018 à Cologne un monument à la suite d’une matinée sur le thème « Rappeler le génocide, Empêcher les guerres ». Il rappelle non seulement le génocide commis dans les années 1915 – 1918 aux Arméniens mais également la participation allemande et exige de proscrire le racisme et le nationalisme comme la cause des génocides.

Le monument a été érigé sur le bord gauche du pont sur le Rhin, le« Hohenzollernbrücke » en face de la statue du Kaiser Wilhelm II, responsable du génocide des OvaroHerero et Nama en 1904 et soutien du génocide des Arméniens.

Le Monument a été enlevé par la ville de Cologne le 19 avril 2018, pour manque d’autorisation préalable. La ville de Cologne a également argumenté, dans le cadre d’une procédure devant le tribunal administratif de Cologne entamée par nous, que le monument devrait être enlevé avant le 24 avril 2018, jour de la commémoration internationale du génocide aux Arméniens, afin d’éviter « le rassemblement de nombreux contre-manifestants » présentant un fort risque pour « la sécurité et la facilité du trafic à cet endroit ». Au vu de la présence de nombreux citoyens turcs à Cologne, la ville aurait déjà en 2017, lors de la mise en place du « Kreuzstein » de la communauté arménienne, refusé expressément une permission de la mise en place dans le domaine public à cause du potentiel de conflit élevé.

Le tribunal administratif de Cologne n’a pas contesté l’enlèvement immédiat du monument du génocide près de la «Hohenzollernbrücke».

Dans notre réponse au tribunal administratif nous avons souligné que nous jugeons cette argumentation comme insulte à une politique de mémorisation et un recul devant ceux qui nient le génocide. Elle contredit diamétralement la demande du Bundestag qui dans sa résolution du 2 juin 2016 demande à la société civile de thématiser la mémoire du génocide aux Arméniens.

Un grand nombre d’organisations et de personnes importantes de la vie culturelle et intellectuelle se sont déclarées parrain ou soutien pour le monument et sa réinstallation.

Nos efforts continuent afin qu’un grand nombre de personnes de la vie civile se réunisse pour exiger de la ville de Cologne la réinstallation du monument du génocide.

LE MONUMENT DOIT RETOURNER A SA PLACE!

„Den Schmerz der Anderen begreifen“

Gesprächsabend mit Charlotte Wiedemann, Esi Müller & Ilias Uyar

Montag, 17.10.2022 um 19 Uhr im Forum Volkshochschule im Museum am Neumarkt – Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln.

Charlotte Wiedemann entwirft in ihrem aktuellen Buch »Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis« Grundzüge einer transnationalen, gemeinschaftlichen Erinnerungskultur. Sie kritisiert, es fehle in Deutschland an Empathie für die Opfer des Kolonialismus und anderer Menschheitsverbrechen. Auf diesen Gewalttaten beruhe der Reichtum Deutschlands, sie seien bis heute Nährboden für Ausgrenzung und tödlichen Rassismus. Charlotte Wiedemann schreibt: »Den Anderen aus dem gemeinsamen Menschsein auszuschließen, verbindet die beiden Epochen deutscher Gewaltgeschichte: Kaiserreich und Nationalsozialismus.«

Die Autorin stellt ihr Buch vor. Mit ihr sprechen Esi Müller und Ilias Uyar.

21. September 2022|

Ausfall der Veranstaltung am 24. September

Veranstaltungshinweis

Liebe BesucherInnen, wir möchten sie gerne darauf hinweisen, dass unsere monatliche Veranstaltung am 24. September leider ausfallen muss. Wir treffen uns erneut am 17. Oktober um 19 Uhr zu einem Gesprächsabend mit Charlotte Wiedemann, Esi Müller & Ilias Uyar. Weitere Informationen folgen in Kürze.

Veranstaltungshinweis

Liebe BesucherInnen, wir möchten sie gerne darauf hinweisen, dass unsere monatliche Veranstaltung am 24. September <strong>leider ausfallen muss.</strong> Wir treffen uns erneut am 17. Oktober um 19 Uhr zu einem Gesprächsabend mit Charlotte Wiedemann, Esi Müller & Ilias Uyar. Weitere Informationen folgen in Kürze.

20. September 2022|

ereporter: Angriff auf Armenien: Fünf Fragen an Deutschland

Angriff auf Armenien: Fünf Fragen an Deutschland

1. Warum schweigt die Außenministerin?

Über Russlands Angriff auf die Ukraine lässt sich Annalena Baerbock heute vor ihrer Abreise zur UN-Generalversammlung einmal mehr in größtmöglicher Deutlichkeit zitieren.

„Wir stehen fest an der Seite der Ukraine und wir werden sie weiter unterstützen – mit allem was sie braucht – damit der Krieg und das unermessliche Leid der Menschen in der Ukraine ein Ende finden. In New York wird es insbesondere auch darum gehen, wie die grauenvollen Verbrechen, die im Namen Russlands in der Ukraine begangen werden, aufgearbeitet und verfolgt werden können.“ – Annalena Baerbock

Im Falle von Aserbaidschans Angriff auf Armenien hat sich die Bundesaußenministerin seit nunmehr einer Woche noch mit keinem einzigen Wort geäußert. Dabei ließe sich das vorstehende Statement angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs Aserbaidschans auf armenisches Kernland sowie der dabei verübten Gräueltaten ohne Weiteres auch auf diese beiden Länder anwenden. Wo ist die „wertegeleitete“ und „feministische“ Außenpolitik der Grünen-Politikerin, wenn in diesen Tagen weit über 100 Armenier massakriert und Frauen zerstückelt werden?

2. Warum unterstützt Deutschland zwei Diktaturen gegen zwei Demokratien?

Die Präsidenten Aliyev und Erdogan gefallen sich in der Verherrlichung des türkischen Genozids von 1915 an 1,5 Millionen Armeniern: Auf ihrer gemeinsamen „Siegesfeier“ nach dem Angriff auf Bergkarabach im Jahr 2020 ließ Erdogan einen der Haupttäter hochleben und bezeichnete die armenischen Christen als „Ungläubige“. Aliyev nennt sie regelmäßig „Hunde“ – bei Genozidforschern schrillen da alle Alarmglocken. Nicht so bei der EU Kommissionspräsidentin, welche für den Gaseinkauf in Aserbaidschan lieber ganz auf kritische Anmerkungen zur Menschenrechtslage verzichtet. Auch Deutschland fällt derzeit mehr mit fragwürdigen Militärpartnerschaften sowie Äquidistanz denn mit Kritik oder gar Sanktionen auf. Ein fatales Signal, das auf eine de facto Unterstützung der Angreifer hinausläuft.

Dabei schneidet Aserbaidschan in Bezug auf Pressefreiheit und bürgerliche Freiheiten noch weit schlechter als Russland ab, während in der Türkei von Rechtsstaatlichkeit oder Meinungsfreiheit auch keine Rede mehr sein kann. Armenien hat sich dagegen in einer „Samtenen Revolution“ bereits im Jahr 2018 – ähnlich der Ukraine – demokratisch entwickelt, was am Wochenende US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi bei ihrem Besuch hervorhob. Auch das international nicht anerkannte Arzach wird demokratisch verwaltet.

3. Warum berichten viele Medien falsch oder gar nicht?

Die Berichterstattung in deutschen Medien ist angesichts der offen ausgesprochenen, genozidalen Vernichtungsabsichten der Türkei und Aserbaidschans gegen den ältesten christlichten Staat der Welt geradezu grotesk fehlerhaft und unzureichend: Ausgerechnet das Völkerrecht wird oftmals bemüht, demzufolge Bergkarabach zu Aserbaidschan gehöre. Einmal ganz abgesehen davon, dass dies schlichtweg unzutreffend ist – Aliyev zählt darüber hinaus öffentlich sogar die armenische Hauptstadt Jerewan zu seinem Staatsgebiet. Mehr Klarheit geht nicht: Armenien soll vernichtet werden.

Auch die Art und Weise der Kriegsführung gegen einen militärisch deutlich unterlegenen Gegner – etwa beim Angriff auf Bergkarabach vor zwei Jahren – ist durchweg menschenverachtend und illegal.

„Menschenrechtsorganisationen berichten von Streubomben gegen die Zivilbevölkerung, von gezielten Angriffen auf Krankenhäuser und Kirchen, weil sie christliche Kreuze trugen. Kriegsgefangene Armenier sollen gefoltert und dabei gefilmt worden sein. Bei der OSZE und der UNO werden derzeit Berichte von Enthauptungen von Soldaten und Verstümmelung von Leichen geprüft.“ – Wolfram Reimer 2020 in n-tv

4. Warum gibt es in Deutschland keine Denkmäler für den Völkermord?

Die strategischen Interessen der EU Kommission sowie der Bundesregierung am vermeintlichen NATO-Partner Türkei und am Gas-Lieferanten Aserbaidschan sind so klar wie kurzsichtig. Doch warum bleibt die Zivilgesellschaft merkwürdig still? Nun, sie weiß es einfach oft nicht besser.

Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern durch die Bewegung der „Jungtürken“ wurde 1915 mit logistischer und militärischer Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs ermöglicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund versucht eine Initiative bereits seit Jahren, in Köln ein Mahnmal für den Genozid aufzustellen. Die Stadt baut es regelmäßig wieder ab. In Sichtweite darf derweil Kaiser Wilhelm II. auf dem Sockel bleiben.

An der Hardenbergstraße in Berlin erinnert heute ebenfalls nichts daran, dass hier einst ein türkischer Völkermörder im deutschen Exil erschossen wurde.

5. Warum fehlt der Genozid im Geschichtsunterricht?

Soldaten des Deutschen Kaiserreichs halfen den Türken vielfach bei der Ermordung der christlichen Zivilbevölkerung. Rund 20 Jahre später nahm Hitler unmittelbar vor dem Überfall auf Polen gegenüber Generälen der Wehrmacht ausdrücklich Bezug auf den Völkermord an den Armeniern. In einer Geheimrede erklärte er ihn zum Vorbild für den eigenen Vernichtungskrieg.

„So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ – Adolf Hitler am 22.08.1939

Es gäbe also mehr als genug Gründe, das Thema in den Geschichtsunterricht aufzunehmen. Doch verbindliche Leitlinien dafür fehlen – aufgrund politischer Einflussnahme der Türkei und offenbar auch aus Sorge um die Reaktionen türkischer Schüler und ihrer Eltern. In der Türkei sind derweil Straßen und Schulen nach den Tätern benannt.

Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern ist im Unterschied zum Holocaust in Deutschland möglich. Frankreich, Griechenland, Zypern und die Slowakei haben dagegen auch die Leugnung dieses Genozids unter Strafe gestellt.

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Angriff auf Armenien: Fünf Fragen an Deutschland

1. Warum schweigt die Außenministerin?

Über Russlands Angriff auf die Ukraine lässt sich Annalena Baerbock heute vor ihrer Abreise zur UN-Generalversammlung einmal mehr in größtmöglicher Deutlichkeit zitieren.

„Wir stehen fest an der Seite der Ukraine und wir werden sie weiter unterstützen – mit allem was sie braucht – damit der Krieg und das unermessliche Leid der Menschen in der Ukraine ein Ende finden. In New York wird es insbesondere auch darum gehen, wie die grauenvollen Verbrechen, die im Namen Russlands in der Ukraine begangen werden, aufgearbeitet und verfolgt werden können.“ – Annalena Baerbock

Im Falle von Aserbaidschans Angriff auf Armenien hat sich die Bundesaußenministerin seit nunmehr einer Woche noch mit keinem einzigen Wort geäußert. Dabei ließe sich das vorstehende Statement angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs Aserbaidschans auf armenisches Kernland sowie der dabei verübten Gräueltaten ohne Weiteres auch auf diese beiden Länder anwenden. Wo ist die „wertegeleitete“ und „feministische“ Außenpolitik der Grünen-Politikerin, wenn in diesen Tagen weit über 100 Armenier massakriert und Frauen zerstückelt werden?

2. Warum unterstützt Deutschland zwei Diktaturen gegen zwei Demokratien?

Die Präsidenten Aliyev und Erdogan gefallen sich in der Verherrlichung des türkischen Genozids von 1915 an 1,5 Millionen Armeniern: Auf ihrer gemeinsamen „Siegesfeier“ nach dem Angriff auf Bergkarabach im Jahr 2020 ließ Erdogan einen der Haupttäter hochleben und bezeichnete die armenischen Christen als „Ungläubige“. Aliyev nennt sie regelmäßig „Hunde“ – bei Genozidforschern schrillen da alle Alarmglocken. Nicht so bei der EU Kommissionspräsidentin, welche für den Gaseinkauf in Aserbaidschan lieber ganz auf kritische Anmerkungen zur Menschenrechtslage verzichtet. Auch Deutschland fällt derzeit mehr mit fragwürdigen Militärpartnerschaften sowie Äquidistanz denn mit Kritik oder gar Sanktionen auf. Ein fatales Signal, das auf eine de facto Unterstützung der Angreifer hinausläuft.

Dabei schneidet Aserbaidschan in Bezug auf Pressefreiheit und bürgerliche Freiheiten noch weit schlechter als Russland ab, während in der Türkei von Rechtsstaatlichkeit oder Meinungsfreiheit auch keine Rede mehr sein kann. Armenien hat sich dagegen in einer „Samtenen Revolution“ bereits im Jahr 2018 – ähnlich der Ukraine – demokratisch entwickelt, was am Wochenende US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi bei ihrem Besuch hervorhob. Auch das international nicht anerkannte Arzach wird demokratisch verwaltet.

3. Warum berichten viele Medien falsch oder gar nicht?

Die Berichterstattung in deutschen Medien ist angesichts der offen ausgesprochenen, genozidalen Vernichtungsabsichten der Türkei und Aserbaidschans gegen den ältesten christlichten Staat der Welt geradezu grotesk fehlerhaft und unzureichend: Ausgerechnet das Völkerrecht wird oftmals bemüht, demzufolge Bergkarabach zu Aserbaidschan gehöre. Einmal ganz abgesehen davon, dass dies schlichtweg unzutreffend ist – Aliyev zählt darüber hinaus öffentlich sogar die armenische Hauptstadt Jerewan zu seinem Staatsgebiet. Mehr Klarheit geht nicht: Armenien soll vernichtet werden.

Auch die Art und Weise der Kriegsführung gegen einen militärisch deutlich unterlegenen Gegner – etwa beim Angriff auf Bergkarabach vor zwei Jahren – ist durchweg menschenverachtend und illegal.

„Menschenrechtsorganisationen berichten von Streubomben gegen die Zivilbevölkerung, von gezielten Angriffen auf Krankenhäuser und Kirchen, weil sie christliche Kreuze trugen. Kriegsgefangene Armenier sollen gefoltert und dabei gefilmt worden sein. Bei der OSZE und der UNO werden derzeit Berichte von Enthauptungen von Soldaten und Verstümmelung von Leichen geprüft.“ – Wolfram Reimer 2020 in n-tv

4. Warum gibt es in Deutschland keine Denkmäler für den Völkermord?

Die strategischen Interessen der EU Kommission sowie der Bundesregierung am vermeintlichen NATO-Partner Türkei und am Gas-Lieferanten Aserbaidschan sind so klar wie kurzsichtig. Doch warum bleibt die Zivilgesellschaft merkwürdig still? Nun, sie weiß es einfach oft nicht besser.

Der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern durch die Bewegung der „Jungtürken“ wurde 1915 mit logistischer und militärischer Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs ermöglicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund versucht eine Initiative bereits seit Jahren, in Köln ein Mahnmal für den Genozid aufzustellen. Die Stadt baut es regelmäßig wieder ab. In Sichtweite darf derweil Kaiser Wilhelm II. auf dem Sockel bleiben.

An der Hardenbergstraße in Berlin erinnert heute ebenfalls nichts daran, dass hier einst ein türkischer Völkermörder im deutschen Exil erschossen wurde.

5. Warum fehlt der Genozid im Geschichtsunterricht?

Soldaten des Deutschen Kaiserreichs halfen den Türken vielfach bei der Ermordung der christlichen Zivilbevölkerung. Rund 20 Jahre später nahm Hitler unmittelbar vor dem Überfall auf Polen gegenüber Generälen der Wehrmacht ausdrücklich Bezug auf den Völkermord an den Armeniern. In einer Geheimrede erklärte er ihn zum Vorbild für den eigenen Vernichtungskrieg.

„So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ – Adolf Hitler am 22.08.1939

Es gäbe also mehr als genug Gründe, das Thema in den Geschichtsunterricht aufzunehmen. Doch verbindliche Leitlinien dafür fehlen – aufgrund politischer Einflussnahme der Türkei und offenbar auch aus Sorge um die Reaktionen türkischer Schüler und ihrer Eltern. In der Türkei sind derweil Straßen und Schulen nach den Tätern benannt.

Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern ist im Unterschied zum Holocaust in Deutschland möglich. Frankreich, Griechenland, Zypern und die Slowakei haben dagegen auch die Leugnung dieses Genozids unter Strafe gestellt.

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20. September 2022|

Mahnmalstunde am 24. August

Wir haben uns am 24. August 2022 erneut zu einer Mahnmalstunde an der Leerstelle getroffen, wie jeden 24. des Monats. Nach einem kurzen Bericht über den Verhandlungsstand mit der Stadt Köln, gab es Musik und es wurde ein Text aus dem Buch von Ch.Wiedemann verlesen, „Den Schmerz der anderen begreifen, Holocaust und Weltgedächnis“. Mit Charlotte Wiedemann und anderen wird es am 17. Oktober um 19 Uhr eine Veranstaltung im VHS Forum, im Rautenstrauch-Jost Museum geben.

Anschließend sprach Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus: Hier finden Sie Ihre Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk.

Wir danken**allen Beteiligten und sehen uns am 24. September um 18 Uhr an der Leerstelle des Mahnmals.

Wir haben uns am 24.8.22 erneut zu einer Mahnmalstunde an der Leerstelle getroffen, wie jeden 24. des Monats. Nach einem kurzen Bericht über den Verhandlungsstand mit der Stadt Köln, gab es Musik und es wurde ein Text aus dem Buch von Ch.Wiedemann verlesen, „Den Schmerz der anderen begreifen, Holocaust und Weltgedächnis“. Mit Charlotte Wiedemann und anderen wird es am 17.10. um 19 Uhr eine Veranstaltung im VHS Forum, im Rautenstrauch-Jost Museum geben.

Anschließend sprach Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus: Hier finden Sie Ihre „Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk“.

Wir danken**allen Beteiligten und sehen uns am 24.9. um 18 Uhr an der Leerstelle des Mahnmals.

30. August 2022|

Claudia Wörmann-Adam: Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk

Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk

gehalten von Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus am 24.8.2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Wir stehen hier an der Stelle, an der mit einem Denkmal an den Genozid am armenischen Volk erinnert werden soll. Es soll erinnern an das Menschheitsverbrechen von 1915-1916, das die Armenier „Aghet“: die Katastrophe, nennen. Es war der zweite systematische Völkermord des 20. Jahrhundert nach dem Genozid in Afrika an den Herero und Nama begangen durch die damalige Kolonialmacht Deutschland in den Jahren 1904-1908. Das Denkmal für die Armenier hat einen Namen: „Dieser Schmerz betrifft uns alle.“

Bei den Massakern und Todesmärschen in der Türkei kamen bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Bei Pogromen in den Jahrzehnten zuvor schätzt man, dass bis zu 300.000 Menschen zu Tode kamen.

Die offizielle türkische Geschichtsschreibung leugnet bis heute diesen Völkermord. Der armenischen Bevölkerung wurde im Zusammenhang mit verlorenen Schlachten der türkischen Armee pauschal „Sabotage“ unterstellt.

Sie wurde – ähnlich wie die jüdische Bevölkerung in vielen Staaten Europas und ganz speziell Deutschland – zum Sündenbock gemacht. Es entstand – wie in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg – eine Art „Dolchstoßlegende“ die den Armeniern die Schuld an den militärischen Niederlagen des türkischen Heers gegen Russland zuwies.

Die Entente-Mächte Russland, England und Frankreich protestierten gegen die Verfolgung der armenischen Bevölkerung und bezeichneten die Massaker als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Als Reaktion darauf erließ die türkische Regierung ein Deportationsgesetz.

Die armenische Bevölkerung, die noch nicht massakriert worden war, vor allem Frauen, Kinder und Alte, wurden ohne Nahrung und ohne Wasser auf Todesmärschen in die Wüste Richtung Aleppo deportiert. Vorher wurden sie enteignet, ihr Eigentum geplündert. Ein spezielles Gesetz verbot es sogar, Armeniern Nahrungsmittel zu geben. Das Ziel war, „alle nicht-türkischen Ethnien aus Kleinasien zu eliminieren,“ (das) „ausschließlich für die türkische Bevölkerung dienen sollte“. Diese Todesmärsche beschrieb der österreichische Autor jüdischer Herkunft, Franz Werfel, in seinem monumentalen Epos »Die vierzig Tage des Musa Dagh« als „wandernde Konzentrationslager“.

Ein deutscher Verbindungsoffizier, Eberhard Graf Wolfskeel von Reichenberg, befehligte die Niederschlagung von drei Aufständen der armenischen Bevölkerung gegen das Unrecht, das man ihnen durch die türkische Regierung antat. An der Logistik der Deportationen war das deutsche Militär beteiligt. Mit der von den Deutschen gebauten und kontrollierten Eisenbahnlinie wurden die Menschen in Viehwagen in die Wüste deportiert.

Am 7. Juli 1915 schickte der damalige deutsche Botschafter in Konstantinopel, Hans Freiherr von Wangenheim, einen Bericht nach Berlin. Aus diesem Bericht ging klar hervor: die deutschen Diplomaten und Militärs im osmanischen Reich wussten, dass an der armenischen Minderheit ein Völkermord stattfindet. „Die Umstände und die Art, wie die Umsiedlung durchgeführt wird“, schrieb Wangenheim an Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, zeigten, „dass die türkische Regierung tatsächlich den Zweck verfolge, die armenische Rasse im türkischen Reich zu vernichten“.

Doch Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg wollte davon nichts wissen. Kategorisch entschied er: „unser einziges Ziel ist es, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Bei länger andauerndem Krieg werden wir die Türken noch sehr brauchen.“

Über diesen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg heißt es im Wikipedia- Eintrag, dass er „liberale Auffassungen“ vertrat und „der fortschrittlichen Volkspartei nahestand, seine ethische Werthaltung und seine fortschrittliche Grundhaltung galten vielen als Leitlinie der deutschen Politik“.

Ein sonderbares Verständnis von Fortschritt und ethischer Wertehaltung.

Innertürkische Kritiker*innen der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung mussten und müssen bis heute mit Verfolgung rechnen. Wer über das Massaker an der armenischen Bevölkerung berichtet, und es als das bezeichnet, was es war, einen Völkermord, begangen durch den türkischen Staat, begeht einen Gesetzesverstoß, der als „Beleidigung der türkischen Nation“ bezeichnet und verfolgt wird. Zu den Betroffenen dieses Gesetzes gehörten und gehören häufig Journalisten wie Hrant Dink, der auf offener Straße von türkischen Nationalisten erschossen wurde, oder Schriftsteller wie Orhan Pamuk und unser im letzten Jahr verstorbener Freund Doğan Akhanli.

Der Völkermord an den Armeniern wurde, wie der Historiker Wolfgang Benz es formulierte „planmäßig und kaltblütig in Szene gesetzt, als Ergebnis systematischer Planung“.

Erst 2015 – 100 Jahre später – bezeichnete der damalige Bundespräsident Joachim Gauck das Massaker als Völkermord; ein Jahr später anerkannte dies auch der Deutsche Bundestag. Er bedauerte die „unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs, dass trotz eindeutiger Informationen nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen“.

In all den vielen Jahren seit 1916 hat die Politik in Deutschland hierzu geschwiegen und die deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Diese Haltung des Negierens und Ignorierens hat dazu geführt, dass Adolf Hitler in seiner 2. Rede vor den Oberkommandierenden der Deutschen Wehrmacht am 22. August 1939 – also vor nunmehr genau 83 Jahren – auf dem Obersalzberg in Vorbereitung auf den Holocaust die von ihm rhetorisch gemeinte Frage stellte: „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Es gibt viele Parallelen zwischen der Verfolgung und Vernichtung der armenischen und der jüdischen Bevölkerung. Beide Gruppen haben schon vielfach die Erfahrung von Pogromen machen müssen. Und es kommt nicht von ungefähr, dass jüdische Autoren wie Franz Werfel, Ossip Mandelstam, Edgar Hilsenrath und der jüdische Autor, Journalist und Filmemacher, unser langjähriges Vereinsmitglied, Ralph Giordano, sich mit dem Genozid am armenischen Volk befasst haben.
Franz Werfel schrieb »Die 40 Tage des Musa Dagh« um, wie er es nannte, „das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“

Auch dem russischen Dichter Ossip Mandelstam entgingen nicht die Gemeinsamkeiten zwischen dem Schicksal der Juden und dem der Armenier: Unterdrückung, Verfolgung, Pogrome. Er schrieb einen Reisebericht und einen Gedichtzyklus über Armenien und seine Bevölkerung. Er starb, von Stalin brutal verfolgt, elendig in einem russischen Arbeitslager.

Edgar Hilsenrath schrieb »Das Märchen vom letzten Gedanken« über den Völkermord an den Armeniern. Er und seine Familie – selbst Opfer der Judenverfolgung der Nazis – recherchierte – wie Franz Werfel vor ihm – jahrelang zu diesem Genozid und, als er dann das Buch schrieb, so erzählte er später, „fühlte ich mich wie ein Armenier“.

Ralph Giordano, auch er Überlebender des Holocausts wie Hilsenrath, wurde Chronist der Völkermorde an den Juden, an den Sinti und Roma und mit seinem 1986 produziertem Film „die armenische Frage existiert nicht mehr“ ebenfalls zum Chronisten des Genozids an den Armeniern. Er sagte in diesem Zusammenhang „die armenische Sache aber war längst zu meiner geworden“. Sein Film wurde ein großer Stein des Anstoßes für nationalistische Türken. Giordano erhielt zahlreiche Morddrohungen nach der Ausstrahlung im WDR. Der Film verschwand lange Zeit in der Versenkung aber man kann ihn jetzt wieder sehen auf »YouTube«!

Auch türkische Autoren setzen sich mit der Geschichte dieses Genozids auseinander. Der große türkische Poet Nazim Hikmet formulierte in seinem Gedicht »Die Abendwanderung« über dieses Verbrechen „dieses Schandmal auf der Stirn des türkischen Volkes“.

Orhan Pamuk, der 1. türkische Literaturnobelpreisträger, stellte öffentlich fest, dass in der Türkei 30.000 Kurden und eine Million Armenier ermordet worden seien. Damit habe Pamuk, so stellten Richter eines Berufungsgerichtes fest, „die Persönlichkeitsrechte türkischer Staatsbürger verletzt“.

Dogan Akhanli hat sich u.a. in seinem Buch »Die Richter des Jüngsten Gerichts« mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandergesetzt, sicherlich hat auch das den Hass der türkischen Nationalisten und Politiker gegen ihn weiter angestachelt.

Nun stehen wir heute hier und fordern von der Stadt Köln und den politisch verantwortlichen Vertreterinnen und Vertretern der demokratischen Parteien im Kölner Stadtrat, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid an den Armeniern wieder installiert wird und zwar genau hier zwischen dem grandiosen Denkmal von Dani Karavan „Ma‘alot“ und in Sichtachse zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., dem obersten Repräsentanten des »Deutschen Reichs« in den Zeiten der beiden Genozide an den Herero und Nama und an den Armeniern.

Es gibt nicht wenige Persönlichkeiten und Initiativen die fordern, dass solche Denkmäler wie das von Wilhelm II. aus dem öffentlichen Raum verschwinden sollen. Ich finde diese Diskussionen richtig und wichtig, habe allerdings bisher persönlich noch keine endgültig abgeschlossene Meinung dazu. Ich könnte mir auch vorstellen, Wilhelm II. von seinem Sockel zu holen oder besser gesagt ihn von seinem hohen Ross zu holen, nicht nur symbolisch, sondern ihn tatsächlich zu entthronen und neben ihm eine Tafel mit kritischen historischen Erläuterungen seiner Verantwortung für vielerlei Verbrechen zu installieren.

Wir als Verein EL-DE-Haus – Förderverein des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln – haben von Anbeginn an das Anliegen der Initiative „Völkermord erinnern“ unterstützt. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses als Verein sich einzusetzen für die Ächtung von Rassismus, von Antisemitismus und von Nationalismus und für die bleibende Erinnerung an den Holocaust, an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma, an die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen, an die Verfolgung und Ermordung kranker Menschen und anderer vom Nazi-Unrecht betroffener Menschen.

Genau deshalb fordern wir als EL-DE-Haus Verein von der Stadt Köln und den politisch Verantwortlichen in dieser Stadt, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid der Armenier hier wieder errichtet werden soll!

Die Geschichte des Gedenkens und Erinnerns in Köln und anderswo in Deutschland und Europa war immer die des Engagements politisch bewusster Bürgerinnen und Bürger; nur dadurch gibt es in Köln das NS-Dokumentationszentrum, die Stolpersteine, das Denkmal für die Deserteure und einiges mehr. Dafür braucht es langen Atem und manches Mal auch zivilen Ungehorsam: aber aus eigener Anschauung kann ich sagen: es lohnt sich für die gerechte Sache zu kämpfen.

Rede zur Wiedererrichtung des Denkmals „Dieser Schmerz betrifft uns alle“ zum Gedenken an den Genozid am armenischen Volk

gehalten von Claudia Wörmann-Adam, Co-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus am 24.8.2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Wir stehen hier an der Stelle, an der mit einem Denkmal an den Genozid am armenischen Volk erinnert werden soll. Es soll erinnern an das Menschheitsverbrechen von 1915-1916, das die Armenier „Aghet“: die Katastrophe, nennen. Es war der zweite systematische Völkermord des 20. Jahrhundert nach dem Genozid in Afrika an den Herero und Nama begangen durch die damalige Kolonialmacht Deutschland in den Jahren 1904-1908. Das Denkmal für die Armenier hat einen Namen: „Dieser Schmerz betrifft uns alle.“

Bei den Massakern und Todesmärschen in der Türkei kamen bis zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Bei Pogromen in den Jahrzehnten zuvor schätzt man, dass bis zu 300.000 Menschen zu Tode kamen.

Die offizielle türkische Geschichtsschreibung leugnet bis heute diesen Völkermord. Der armenischen Bevölkerung wurde im Zusammenhang mit verlorenen Schlachten der türkischen Armee pauschal „Sabotage“ unterstellt.

Sie wurde – ähnlich wie die jüdische Bevölkerung in vielen Staaten Europas und ganz speziell Deutschland – zum Sündenbock gemacht. Es entstand – wie in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg – eine Art „Dolchstoßlegende“ die den Armeniern die Schuld an den militärischen Niederlagen des türkischen Heers gegen Russland zuwies.

Die Entente-Mächte Russland, England und Frankreich protestierten gegen die Verfolgung der armenischen Bevölkerung und bezeichneten die Massaker als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Als Reaktion darauf erließ die türkische Regierung ein Deportationsgesetz.

Die armenische Bevölkerung, die noch nicht massakriert worden war, vor allem Frauen, Kinder und Alte, wurden ohne Nahrung und ohne Wasser auf Todesmärschen in die Wüste Richtung Aleppo deportiert. Vorher wurden sie enteignet, ihr Eigentum geplündert. Ein spezielles Gesetz verbot es sogar, Armeniern Nahrungsmittel zu geben. Das Ziel war, „alle nicht-türkischen Ethnien aus Kleinasien zu eliminieren,“ (das) „ausschließlich für die türkische Bevölkerung dienen sollte“. Diese Todesmärsche beschrieb der österreichische Autor jüdischer Herkunft, Franz Werfel, in seinem monumentalen Epos »Die vierzig Tage des Musa Dagh« als „wandernde Konzentrationslager“.

Ein deutscher Verbindungsoffizier, Eberhard Graf Wolfskeel von Reichenberg, befehligte die Niederschlagung von drei Aufständen der armenischen Bevölkerung gegen das Unrecht, das man ihnen durch die türkische Regierung antat. An der Logistik der Deportationen war das deutsche Militär beteiligt. Mit der von den Deutschen gebauten und kontrollierten Eisenbahnlinie wurden die Menschen in Viehwagen in die Wüste deportiert.

Am 7. Juli 1915 schickte der damalige deutsche Botschafter in Konstantinopel, Hans Freiherr von Wangenheim, einen Bericht nach Berlin. Aus diesem Bericht ging klar hervor: die deutschen Diplomaten und Militärs im osmanischen Reich wussten, dass an der armenischen Minderheit ein Völkermord stattfindet. „Die Umstände und die Art, wie die Umsiedlung durchgeführt wird“, schrieb Wangenheim an Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, zeigten, „dass die türkische Regierung tatsächlich den Zweck verfolge, die armenische Rasse im türkischen Reich zu vernichten“.

Doch Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg wollte davon nichts wissen. Kategorisch entschied er: „unser einziges Ziel ist es, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Bei länger andauerndem Krieg werden wir die Türken noch sehr brauchen.“

Über diesen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg heißt es im Wikipedia- Eintrag, dass er „liberale Auffassungen“ vertrat und „der fortschrittlichen Volkspartei nahestand, seine ethische Werthaltung und seine fortschrittliche Grundhaltung galten vielen als Leitlinie der deutschen Politik“.

Ein sonderbares Verständnis von Fortschritt und ethischer Wertehaltung.

Innertürkische Kritiker*innen der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung mussten und müssen bis heute mit Verfolgung rechnen. Wer über das Massaker an der armenischen Bevölkerung berichtet, und es als das bezeichnet, was es war, einen Völkermord, begangen durch den türkischen Staat, begeht einen Gesetzesverstoß, der als „Beleidigung der türkischen Nation“ bezeichnet und verfolgt wird. Zu den Betroffenen dieses Gesetzes gehörten und gehören häufig Journalisten wie Hrant Dink, der auf offener Straße von türkischen Nationalisten erschossen wurde, oder Schriftsteller wie Orhan Pamuk und unser im letzten Jahr verstorbener Freund Doğan Akhanli.

Der Völkermord an den Armeniern wurde, wie der Historiker Wolfgang Benz es formulierte „planmäßig und kaltblütig in Szene gesetzt, als Ergebnis systematischer Planung“.

Erst 2015 – 100 Jahre später – bezeichnete der damalige Bundespräsident Joachim Gauck das Massaker als Völkermord; ein Jahr später anerkannte dies auch der Deutsche Bundestag. Er bedauerte die „unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs, dass trotz eindeutiger Informationen nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen“.

In all den vielen Jahren seit 1916 hat die Politik in Deutschland hierzu geschwiegen und die deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Diese Haltung des Negierens und Ignorierens hat dazu geführt, dass Adolf Hitler in seiner 2. Rede vor den Oberkommandierenden der Deutschen Wehrmacht am 22. August 1939 – also vor nunmehr genau 83 Jahren – auf dem Obersalzberg in Vorbereitung auf den Holocaust die von ihm rhetorisch gemeinte Frage stellte: „Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Es gibt viele Parallelen zwischen der Verfolgung und Vernichtung der armenischen und der jüdischen Bevölkerung. Beide Gruppen haben schon vielfach die Erfahrung von Pogromen machen müssen. Und es kommt nicht von ungefähr, dass jüdische Autoren wie Franz Werfel, Ossip Mandelstam, Edgar Hilsenrath und der jüdische Autor, Journalist und Filmemacher, unser langjähriges Vereinsmitglied, Ralph Giordano, sich mit dem Genozid am armenischen Volk befasst haben.
Franz Werfel schrieb »Die 40 Tage des Musa Dagh« um, wie er es nannte, „das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“

Auch dem russischen Dichter Ossip Mandelstam entgingen nicht die Gemeinsamkeiten zwischen dem Schicksal der Juden und dem der Armenier: Unterdrückung, Verfolgung, Pogrome. Er schrieb einen Reisebericht und einen Gedichtzyklus über Armenien und seine Bevölkerung. Er starb, von Stalin brutal verfolgt, elendig in einem russischen Arbeitslager.

Edgar Hilsenrath schrieb »Das Märchen vom letzten Gedanken« über den Völkermord an den Armeniern. Er und seine Familie – selbst Opfer der Judenverfolgung der Nazis – recherchierte – wie Franz Werfel vor ihm – jahrelang zu diesem Genozid und, als er dann das Buch schrieb, so erzählte er später, „fühlte ich mich wie ein Armenier“.

Ralph Giordano, auch er Überlebender des Holocausts wie Hilsenrath, wurde Chronist der Völkermorde an den Juden, an den Sinti und Roma und mit seinem 1986 produziertem Film „die armenische Frage existiert nicht mehr“ ebenfalls zum Chronisten des Genozids an den Armeniern. Er sagte in diesem Zusammenhang „die armenische Sache aber war längst zu meiner geworden“. Sein Film wurde ein großer Stein des Anstoßes für nationalistische Türken. Giordano erhielt zahlreiche Morddrohungen nach der Ausstrahlung im WDR. Der Film verschwand lange Zeit in der Versenkung aber man kann ihn jetzt wieder sehen auf »YouTube«!

Auch türkische Autoren setzen sich mit der Geschichte dieses Genozids auseinander. Der große türkische Poet Nazim Hikmet formulierte in seinem Gedicht »Die Abendwanderung« über dieses Verbrechen „dieses Schandmal auf der Stirn des türkischen Volkes“.

Orhan Pamuk, der 1. türkische Literaturnobelpreisträger, stellte öffentlich fest, dass in der Türkei 30.000 Kurden und eine Million Armenier ermordet worden seien. Damit habe Pamuk, so stellten Richter eines Berufungsgerichtes fest, „die Persönlichkeitsrechte türkischer Staatsbürger verletzt“.

Dogan Akhanli hat sich u.a. in seinem Buch »Die Richter des Jüngsten Gerichts« mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandergesetzt, sicherlich hat auch das den Hass der türkischen Nationalisten und Politiker gegen ihn weiter angestachelt.

Nun stehen wir heute hier und fordern von der Stadt Köln und den politisch verantwortlichen Vertreterinnen und Vertretern der demokratischen Parteien im Kölner Stadtrat, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid an den Armeniern wieder installiert wird und zwar genau hier zwischen dem grandiosen Denkmal von Dani Karavan „Ma‘alot“ und in Sichtachse zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., dem obersten Repräsentanten des »Deutschen Reichs« in den Zeiten der beiden Genozide an den Herero und Nama und an den Armeniern.

Es gibt nicht wenige Persönlichkeiten und Initiativen die fordern, dass solche Denkmäler wie das von Wilhelm II. aus dem öffentlichen Raum verschwinden sollen. Ich finde diese Diskussionen richtig und wichtig, habe allerdings bisher persönlich noch keine endgültig abgeschlossene Meinung dazu. Ich könnte mir auch vorstellen, Wilhelm II. von seinem Sockel zu holen oder besser gesagt ihn von seinem hohen Ross zu holen, nicht nur symbolisch, sondern ihn tatsächlich zu entthronen und neben ihm eine Tafel mit kritischen historischen Erläuterungen seiner Verantwortung für vielerlei Verbrechen zu installieren.

Wir als Verein EL-DE-Haus – Förderverein des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln – haben von Anbeginn an das Anliegen der Initiative „Völkermord erinnern“ unterstützt. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses als Verein sich einzusetzen für die Ächtung von Rassismus, von Antisemitismus und von Nationalismus und für die bleibende Erinnerung an den Holocaust, an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma, an die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen, an die Verfolgung und Ermordung kranker Menschen und anderer vom Nazi-Unrecht betroffener Menschen.

Genau deshalb fordern wir als EL-DE-Haus Verein von der Stadt Köln und den politisch Verantwortlichen in dieser Stadt, dass das Denkmal zur Erinnerung an den Genozid der Armenier hier wieder errichtet werden soll!

Die Geschichte des Gedenkens und Erinnerns in Köln und anderswo in Deutschland und Europa war immer die des Engagements politisch bewusster Bürgerinnen und Bürger; nur dadurch gibt es in Köln das NS-Dokumentationszentrum, die Stolpersteine, das Denkmal für die Deserteure und einiges mehr. Dafür braucht es langen Atem und manches Mal auch zivilen Ungehorsam: aber aus eigener Anschauung kann ich sagen: es lohnt sich für die gerechte Sache zu kämpfen.

29. August 2022|
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