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Im Anschluss an eine Matinee „Völkermorde erinnern, Kriege verhindern“ am 15. April in Köln haben die Initiative „Völkermord erinnern“ und Besucherinnen und Besucher ein Mahnmal enthüllt. Es erinnert nicht nur an den Genozid an den Armeniern in den Jahren 1915-1918, sondern auch an die deutsche Beteiligung daran und fordert grundsätzlich dazu auf, Rassismus und Nationalismus als Ursachen von Völkermorden zu ächten.

Das Mahnmal ist an der linksrheinischen Seite der Hohenzollernbrücke errichtet worden, gegenüber dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., Verantwortlicher für den Völkermord an den OvaHerero und Nama 1904 und Unterstützer des Genozids an den Armeniern.

Das Genozid-Mahnmal wurde von der Stadt Köln am 19. April 2018 abgerissen. Es habe an einer Genehmigung gefehlt. Die Stadt hat in ihrem Schriftsatz gegenüber dem Verwaltungsgericht Köln, das wir angerufen hatten, außerdem argumentiert, das Mahnmal müsse noch vor dem 24. April, dem internationalen Gedenktag an den Genozid, beseitigt werden, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sich „zahlreiche Gegendemonstranten einfinden“ und „die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs an dieser Stelle zeitnah stark beeinträchtigt“ sei. „Angesichts der Vielzahl türkischer Mitbürger in Köln“ sei auch schon 2017, bei der Erlaubnis für den Kreuzstein der armenischen Gemeinde „auf eine Aufstellung im öffentlichen Straßenland aufgrund des hohen Konfliktpotentials bewusst verzichtet worden“. Das Verwaltungsgericht Köln hat die sofortige Entfernung des Genozidmahnmals an der Hohenzollernbrücke nicht beanstandet.

In unserer Antwort beim Verwaltungsgericht hielten wir fest, dass wir diese Argumentation für ein erinnerungspolitisches Armutszeugnis und ein Ausweichen vor Genozidleugnern halten. Sie widerspricht diametral der Aufforderung des Bundestags, der in seiner Resolution vom 2. Juni 2016 die Zivilgesellschaft auffordert, das Gedenken an den armenischen Genozid zu thematisieren.

Zahlreiche Organisationen und Prominente haben sich mittlerweile als PatInnen und UnterstützerInnen für das Mahnmal und für seine Wiedererrichtung ausgesprochen.

Wir richten unsere Anstrengungen weiterhin darauf, möglichst viele zivilgesellschaftliche Kräfte in dem Bemühen zu vereinen, die Stadt Köln solle das Genozid-Mahnmal wieder aufstellen.

Das Mahnmal muss an seinen Platz zurück!

L’initiative « Rappeler le Génocide » ainsi que les visiteurs ont inauguré le 15 avril 2018 à Cologne un monument à la suite d’une matinée sur le thème « Rappeler le génocide, Empêcher les guerres ». Il rappelle non seulement le génocide commis dans les années 1915 – 1918 aux Arméniens mais également la participation allemande et exige de proscrire le racisme et le nationalisme comme la cause des génocides.

Le monument a été érigé sur le bord gauche du pont sur le Rhin, le« Hohenzollernbrücke » en face de la statue du Kaiser Wilhelm II, responsable du génocide des OvaroHerero et Nama en 1904 et soutien du génocide des Arméniens.

Le Monument a été enlevé par la ville de Cologne le 19 avril 2018, pour manque d’autorisation préalable. La ville de Cologne a également argumenté, dans le cadre d’une procédure devant le tribunal administratif de Cologne entamée par nous, que le monument devrait être enlevé avant le 24 avril 2018, jour de la commémoration internationale du génocide aux Arméniens, afin d’éviter « le rassemblement de nombreux contre-manifestants » présentant un fort risque pour « la sécurité et la facilité du trafic à cet endroit ». Au vu de la présence de nombreux citoyens turcs à Cologne, la ville aurait déjà en 2017, lors de la mise en place du « Kreuzstein » de la communauté arménienne, refusé expressément une permission de la mise en place dans le domaine public à cause du potentiel de conflit élevé.

Le tribunal administratif de Cologne n’a pas contesté l’enlèvement immédiat du monument du génocide près de la «Hohenzollernbrücke».

Dans notre réponse au tribunal administratif nous avons souligné que nous jugeons cette argumentation comme insulte à une politique de mémorisation et un recul devant ceux qui nient le génocide. Elle contredit diamétralement la demande du Bundestag qui dans sa résolution du 2 juin 2016 demande à la société civile de thématiser la mémoire du génocide aux Arméniens.

Un grand nombre d’organisations et de personnes importantes de la vie culturelle et intellectuelle se sont déclarées parrain ou soutien pour le monument et sa réinstallation.

Nos efforts continuent afin qu’un grand nombre de personnes de la vie civile se réunisse pour exiger de la ville de Cologne la réinstallation du monument du génocide.

LE MONUMENT DOIT RETOURNER A SA PLACE!

Mahnwache: „Dieser Schmerz betrifft uns alle“

Mahnwache am 30. & 31. August 2019 zum Mahnmal für den Armenier-Genozid

Rassismus und Nationalismus sind mörderische Ideologien und führen zu Krieg und Genozid

Zwischen 1990 und 2019 haben Rassisten hierzulande 193 Menschen umgebracht: Flüchtlinge, Migranten, Deutsche, Frauen, Männer und Kinder. Der Mordversuch an der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker geht auf ihr Konto, ebenso die Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke.

Bündnispartner deutscher Rechtsextremer sind in Italien, Ungarn oder Polen an der Regierung. In Italien führt der rechtsextreme Innenminister Salvini einen Krieg gegen Flüchtlinge und ihre Unterstützer*innen. Auf dem Mittelmeer hat dieser Krieg, den die gesamte EU unterstützt, seit 2014 über 18.000 Menschen das Leben gekostet.

Die Initiative »Völkermord erinnern« hat im April 2018 ein Mahnmal in Köln aufgestellt, das den Zusammenhang von Kriegen, Rassismus und Nationalismus benennt. Wir erinnern mit diesem Mahnmal besonders an den Genozid an den Armeniern, der zwischen 1915 und 1918 unter deutscher Mitverantwortung vom damaligen Osmanischen Reich verübt wurde. Dem Völkermörder und Antisemiten Kaiser Wilhelm II. hat Köln vor über hundert Jahren ein Reiterstandbild gewidmet. Es steht bis heute unkommentiert am Aufgang der Hohenzollernbrücke. Eine öffentliche Erinnerung an den Genozid allerdings gibt es bis heute nicht.

Das wollen wir mit unserem Mahnmal ändern. Deshalb führen wir am 30. und 31. August 2019 eine Mahnwache an der Hohenzollernbrücke durch und laden hierzu herzlich ein:

Freitag, 30.08.
18 Uhr: armenischer Chor
19-22 Uhr: Abend der Lesungen

Samstag, 31.08.
15 Uhr: Beitrag von Simon Gronowski aus Brüssel, der als 12-jähriger aus einem Deportationszug nach Auschwitz sprang
18 Uhr: Wer war Wilhelm II.?
21-22 Uhr: Film »Hinrichtung auf offener Straße« Der Armenier Tehlirian rächt den Völkermord (51 Min.)

20. August 2019|

Georg Restle: Rede zum Gedenktag des Genozids an den Armeniern am 24. April 2019 in Köln

Rede zum Gedenktag des Genozids an den Armeniern von Georg Restle

Georg Restle, Leiter und Moderator des ARD-Politmagazins Monitor

„Die größte Gefahr ist Gleichgültigkeit; nicht zu sehen, dass eine Gefahr überhaupt existiert in Europa. Nein Geschichte wiederholt sich nicht. Aber wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, dem drohen immer neue Tragödien.“

Diese Sätze der Philosophin und Holocaust-Überlebenden Agnes Heller, zeigen, worum es heute auch hier geht. Eben nicht, dass sich Geschichte zu wiederholen droht, sondern dass neue Katastrophen, neue Gräueltaten drohen, wenn wir aus den Lehren unserer Geschichte nicht die richtigen Schlüsse ziehen.

Natürlich gilt das vor allem für das größte aller Menschheitsverbrechen von deutschem Boden aus, den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und allen anderen, die nicht dem Bild des reinen, gesunden deutschen Volkskörpers entsprachen. Aber es gilt auch für die anderen Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts, und dazu gehört der Genozid an den Armeniern ganz sicherlich, der heute vor 104 Jahren seinen furchtbaren Anfang nahm.

Wenn wir uns heute in Deutschland und Europa umschauen, dann scheint es allerdings so, als wären immer größere Teile der Gesellschaften nicht mehr bereit, sich zu erinnern. Nicht an die Menschheitsverbrechen und schon gar nicht an die Ursachen dafür. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass sich ein völkischer Nationalismus in Europa wieder breit macht, der diese Verbrechen erst möglich gemacht hat? Ein völkischer Nationalismus, der auch hier in Deutschland bis weit in die Mitte der Gesellschaft vordringt und dessen Lautsprecher den Holocaust zur lästigen Fußnote der deutschen Geschichte erklären.

Wenn wir über Erinnerung sprechen, sollten wir aber nicht nur an die Verbrechen erinnern, sondern auch daran, wie solche oder ähnliche Verbrechen für alle Zukunft einmal verhindert werden sollten. Wir sollten uns also an auch an das Instrumentarium erinnern, dass Regierungen und Parlamente sich gegeben haben, eben weil sie die richtigen Lehren ziehen wollten aus den Gräueltaten des 20. Jahrhunderts:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ so steht es in Artikel 1 Grundgesetz.

„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Artikel 2 Grundgesetz

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Artikel 3 Grundgesetz

„Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ Artikel 4 Grundgesetz

Warum ich das so ausführlich erwähne? Nein, nicht nur, weil das Grundgesetz dieses Jahr 70 Jahre alt wird. Sondern weil es vor allem diese Grundrechte sind, die gewährleisten sollten, dass sich ein völkischer Nationalismus nicht wieder breit macht, der Menschen aussortiert, weil sie den falschen Glauben, die falsche Herkunft oder die falsche „Rasse“ haben. Es sind vor allem diese Grundrechte, die übrigens für alle gelten, nicht nur für Deutsche. Und die nicht nur in Deutschland gelten, sondern im Kern auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt wurden – und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

„Alle Menschen sind gleich an Würde und Rechten geboren“.

Allerdings scheint es, als seien diese zentralen Menschenrechte beileibe nicht mehr das, was sie eigentlich sein sollten: eine universelle, eine humanistische Selbstverständlichkeit.

Es ist wichtig, heute und hier daran zu erinnern, eben weil diese verfassungs- und völkerrechtlichen Postulate in einer immer größer werdenden Diskrepanz stehen zu den politischen Realitäten, auch und vor allem in Europa. Der chauvinistische, völkische Nationalismus, der gerade wieder sein hässliches Haupt in ganz Europa erhebt, ist nämlich immer ausgrenzend, immer rassistisch, immer freiheitsfeindlich. Weil er sich gegen elementare Grundrechte richtet, gegen das Diskriminierungsverbot, die Religionsfreiheit – ja, und damit natürlich auch gegen die Menschenwürde, die alle Menschenrechte umfasst. Und wenn wir von Europa sprechen, dann reden wir längst nicht mehr über rechtsextremistische Splittergruppen, sondern über Parteien, die immer zahlreicher in Parlamenten und Regierungen sitzen wie in Österreich, Italien, Ungarn oder Polen, und die diesen menschenrechtlichen Konsens aufbrechen wollen, soweit sie ihn nicht schon längst aufgebrochen haben. Weil sie Grundrechte nur noch für ihresgleichen gelten lassen wollen, weil sie Nation immer völkisch homogen definieren. Dass alle Menschen gleich an Würde und Rechten geboren seien, gilt dann nicht mehr; in diesem völkisch-nationalistischen Denken ist die Benachteiligung nach Herkunft, Glauben oder das, was Rasse genannt wird, geradezu konstitutiv.

Was das in der Praxis heißt, sehen wir längst: In Italien, wo viele Flüchtlinge rechtslos gestellt werden, ihnen nicht mal Unterkunft oder eine medizinische Notversorgung garantiert wird. In Ungarn oder Polen, wo die Religionsfreiheit quasi nur noch für Christen gelten soll; keinesfalls aber für Muslime. Und ja, auch in Deutschland, wo immer schärfere Gesetze aus Flüchtlingen Menschen zweiter Klasse machen. Alle „gleich an Würde und Rechten geboren“. Aber manche eben ein bisschen gleicher als andere. Und die anderen ertrinken immer noch im Mittelmeer oder werden von uns in die Folterkeller Libyens zurückgeschickt.
Es ist diese Politik, dieses Denken von einem homogenen Volkskörper, das den Keim der Ausgrenzung und der Ausmerzung in sich trägt. Wohin das führt, hat uns das letzte Jahrhundert gelehrt, als Eugenik, Antisemitismus und Rassismus in diesem Land zur Staatsdoktrin wurden. Wo Menschen erst zu Volksfeinden erklärt wurden, um sie dann zu morden. Und deshalb ist es so wichtig heute daran zu erinnern, worauf auch dieser Staat sich gründet. Und dass der Kampf gegen Nationalismus und Rassismus, gegen Ausgrenzung und Ausmerzung immer und zuallererst ein Kampf für die universellen Menschenrechte sein muss. Wer das nicht begreift, auch der ist am Ende dazu verdammt, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und neue Tragödien, neue Menschheitsverbrechen zu gebären, die zu verhindern unser aller Auftrag sein muss.

25. April 2019|

Domradio.de: Gedenken an die Opfer des Genozids an den Armeniern (Video)

Gedenken an die Opfer des Genozids an den Armeniern

Video anschauen (Domradio)
25. April 2019|

Kölnische Rundschau: Initiative „Völkermord erinnern“ Chorgesänge für armenische Opfer am Mahnmal am Dom

Initiative „Völkermord erinnern“ Chorgesänge für armenische Opfer am Mahnmal am Dom

Artikel lesen (Kölnische Rundschau)
25. April 2019|

Gedenkveranstaltung zum Genozid an den Armeniern am 24. April

Dieser Schmerz betrifft uns alle

In den Jahren 1915 bis 1917 – während des 1. Weltkriegs – wurden im osmanischen Reich weit über eine Million armenischer Kinder, Frauen und Männer systematisch ermordet. Dieser Genozid an der armenischen Bevölkerung geschah auf dem Gebiet der heutigen Türkei. In Deutschland ist nahezu unbekannt, dass Kaiser Wilhelm II. den Völkermord billigte und hunderte deutscher Offiziere das Verbrechen vor Ort aktiv unterstützten. Unter ihnen waren spätere Nazi-Schergen wie Konstantin Freiherr von Neurath, Reichsprotektor von Böhmen und Mähren und einer der Hauptkriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen 1945/46.

Wie auch im vergangenen Jahr begehen wir den Gedenktag in unmittelbarer Nähe zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II. an der Hohenzollernbrücke. Das Mahnmal, das dort bereits im vergangenen Jahr errichtet wurde, wird für den Gedenktag erneut vor der Hohenzollernbrücke aufgestellt werden.

Wir erinnern mit unserer Veranstaltung nicht nur an ein historisches Ereignis. Wir wollen darüber hinaus deutlich machen, dass nur eine entschiedene Ächtung der Entwürdigung von Minderheiten und die Einsicht, dass es weder religiöse, nationale noch ethnische Überlegenheit zwischen den Menschen gibt, solche Verbrechen verhindern kann.
–––––––––––––––––––––––––––

➤ Es singen der Komitas-Chor der Armenischen Gemeinde Köln und Krunk-Chor des Vereins Silva Kaputikian e.V.
➤ Wir würdigen die armenischen Opfer und erinnern an türkische Beamte, die sich den Deportations- und Mordbefehlen verweigert haben.
➤ Georg Restle (Leiter des ARD-Politikmagazins Monitor) wird über die aktuelle Bedeutung von Rassismus und Nationalismus sprechen.
➤ ab 13.00 Uhr können bereits Blumen am Mahnmal niedergelegt werden
–––––––––––––––––––––––––––

Unterstützt von:
– Armenische Gemeinde Köln e. V.
– Silva Kaputikian e.V.
– Verein EL-DE-Haus e.V.
– Katholisches Bildungswerk Köln
– Melanchthon-Akademie Köln
– Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Köln
– KAVOD e.V.
– Lern- und Gedenkort Jawne
– Jugendclub Courage Köln e.V.
– Tüday – Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V.
– KulturForum TürkeiDeutschland
– recherche international e.V.

23. April 2019|
Redebeiträge
Medienberichte
Unterstützerbriefe
Im Anschluss an eine Matinee „Völkermorde erinnern, Kriege verhindern“ am 15. April in Köln haben die Initiative „Völkermord erinnern“ und Besucherinnen und Besucher ein Mahnmal enthüllt. Es erinnert nicht nur an den Genozid an den Armeniern in den Jahren 1915-1918, sondern auch an die deutsche Beteiligung daran und fordert grundsätzlich dazu auf, Rassismus und Nationalismus als Ursachen von Völkermorden zu ächten.

Das Mahnmal ist an der linksrheinischen Seite der Hohenzollernbrücke errichtet worden, gegenüber dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II., Verantwortlicher für den Völkermord an den OvaHerero und Nama 1904 und Unterstützer des Genozids an den Armeniern.

Das Genozid-Mahnmal wurde von der Stadt Köln am 19. April 2018 abgerissen. Es habe an einer Genehmigung gefehlt. Die Stadt hat in ihrem Schriftsatz gegenüber dem Verwaltungsgericht Köln, das wir angerufen hatten, außerdem argumentiert, das Mahnmal müsse noch vor dem 24. April, dem internationalen Gedenktag an den Genozid, beseitigt werden, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sich „zahlreiche Gegendemonstranten einfinden“ und „die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs an dieser Stelle zeitnah stark beeinträchtigt“ sei. „Angesichts der Vielzahl türkischer Mitbürger in Köln“ sei auch schon 2017, bei der Erlaubnis für den Kreuzstein der armenischen Gemeinde „auf eine Aufstellung im öffentlichen Straßenland aufgrund des hohen Konfliktpotentials bewusst verzichtet worden“. Das Verwaltungsgericht Köln hat die sofortige Entfernung des Genozidmahnmals an der Hohenzollernbrücke nicht beanstandet.

In unserer Antwort beim Verwaltungsgericht hielten wir fest, dass wir diese Argumentation für ein erinnerungspolitisches Armutszeugnis und ein Ausweichen vor Genozidleugnern halten. Sie widerspricht diametral der Aufforderung des Bundestags, der in seiner Resolution vom 2. Juni 2016 die Zivilgesellschaft auffordert, das Gedenken an den armenischen Genozid zu thematisieren.

Zahlreiche Organisationen und Prominente haben sich mittlerweile als PatInnen und UnterstützerInnen für das Mahnmal und für seine Wiedererrichtung ausgesprochen.

Wir richten unsere Anstrengungen weiterhin darauf, möglichst viele zivilgesellschaftliche Kräfte in dem Bemühen zu vereinen, die Stadt Köln solle das Genozid-Mahnmal wieder aufstellen.

Das Mahnmal muss an seinen Platz zurück!

L’initiative « Rappeler le Génocide » ainsi que les visiteurs ont inauguré le 15 avril 2018 à Cologne un monument à la suite d’une matinée sur le thème « Rappeler le génocide, Empêcher les guerres ». Il rappelle non seulement le génocide commis dans les années 1915 – 1918 aux Arméniens mais également la participation allemande et exige de proscrire le racisme et le nationalisme comme la cause des génocides.

Le monument a été érigé sur le bord gauche du pont sur le Rhin, le« Hohenzollernbrücke » en face de la statue du Kaiser Wilhelm II, responsable du génocide des OvaroHerero et Nama en 1904 et soutien du génocide des Arméniens.

Le Monument a été enlevé par la ville de Cologne le 19 avril 2018, pour manque d’autorisation préalable. La ville de Cologne a également argumenté, dans le cadre d’une procédure devant le tribunal administratif de Cologne entamée par nous, que le monument devrait être enlevé avant le 24 avril 2018, jour de la commémoration internationale du génocide aux Arméniens, afin d’éviter « le rassemblement de nombreux contre-manifestants » présentant un fort risque pour « la sécurité et la facilité du trafic à cet endroit ». Au vu de la présence de nombreux citoyens turcs à Cologne, la ville aurait déjà en 2017, lors de la mise en place du « Kreuzstein » de la communauté arménienne, refusé expressément une permission de la mise en place dans le domaine public à cause du potentiel de conflit élevé.

Le tribunal administratif de Cologne n’a pas contesté l’enlèvement immédiat du monument du génocide près de la «Hohenzollernbrücke».

Dans notre réponse au tribunal administratif nous avons souligné que nous jugeons cette argumentation comme insulte à une politique de mémorisation et un recul devant ceux qui nient le génocide. Elle contredit diamétralement la demande du Bundestag qui dans sa résolution du 2 juin 2016 demande à la société civile de thématiser la mémoire du génocide aux Arméniens.

Un grand nombre d’organisations et de personnes importantes de la vie culturelle et intellectuelle se sont déclarées parrain ou soutien pour le monument et sa réinstallation.

Nos efforts continuent afin qu’un grand nombre de personnes de la vie civile se réunisse pour exiger de la ville de Cologne la réinstallation du monument du génocide.

LE MONUMENT DOIT RETOURNER A SA PLACE!

Mahnwache: „Dieser Schmerz betrifft uns alle“

Mahnwache am 30. & 31. August 2019 zum Mahnmal für den Armenier-Genozid

Rassismus und Nationalismus sind mörderische Ideologien und führen zu Krieg und Genozid

Zwischen 1990 und 2019 haben Rassisten hierzulande 193 Menschen umgebracht: Flüchtlinge, Migranten, Deutsche, Frauen, Männer und Kinder. Der Mordversuch an der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker geht auf ihr Konto, ebenso die Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke.

Bündnispartner deutscher Rechtsextremer sind in Italien, Ungarn oder Polen an der Regierung. In Italien führt der rechtsextreme Innenminister Salvini einen Krieg gegen Flüchtlinge und ihre Unterstützer*innen. Auf dem Mittelmeer hat dieser Krieg, den die gesamte EU unterstützt, seit 2014 über 18.000 Menschen das Leben gekostet.

Die Initiative »Völkermord erinnern« hat im April 2018 ein Mahnmal in Köln aufgestellt, das den Zusammenhang von Kriegen, Rassismus und Nationalismus benennt. Wir erinnern mit diesem Mahnmal besonders an den Genozid an den Armeniern, der zwischen 1915 und 1918 unter deutscher Mitverantwortung vom damaligen Osmanischen Reich verübt wurde. Dem Völkermörder und Antisemiten Kaiser Wilhelm II. hat Köln vor über hundert Jahren ein Reiterstandbild gewidmet. Es steht bis heute unkommentiert am Aufgang der Hohenzollernbrücke. Eine öffentliche Erinnerung an den Genozid allerdings gibt es bis heute nicht.

Das wollen wir mit unserem Mahnmal ändern. Deshalb führen wir am 30. und 31. August 2019 eine Mahnwache an der Hohenzollernbrücke durch und laden hierzu herzlich ein:

Freitag, 30.08.
18 Uhr: armenischer Chor
19-22 Uhr: Abend der Lesungen

Samstag, 31.08.
15 Uhr: Beitrag von Simon Gronowski aus Brüssel, der als 12-jähriger aus einem Deportationszug nach Auschwitz sprang
18 Uhr: Wer war Wilhelm II.?
21-22 Uhr: Film »Hinrichtung auf offener Straße« Der Armenier Tehlirian rächt den Völkermord (51 Min.)

20. August 2019|

Georg Restle: Rede zum Gedenktag des Genozids an den Armeniern am 24. April 2019 in Köln

Rede zum Gedenktag des Genozids an den Armeniern von Georg Restle

Georg Restle, Leiter und Moderator des ARD-Politmagazins Monitor

„Die größte Gefahr ist Gleichgültigkeit; nicht zu sehen, dass eine Gefahr überhaupt existiert in Europa. Nein Geschichte wiederholt sich nicht. Aber wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, dem drohen immer neue Tragödien.“

Diese Sätze der Philosophin und Holocaust-Überlebenden Agnes Heller, zeigen, worum es heute auch hier geht. Eben nicht, dass sich Geschichte zu wiederholen droht, sondern dass neue Katastrophen, neue Gräueltaten drohen, wenn wir aus den Lehren unserer Geschichte nicht die richtigen Schlüsse ziehen.

Natürlich gilt das vor allem für das größte aller Menschheitsverbrechen von deutschem Boden aus, den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und allen anderen, die nicht dem Bild des reinen, gesunden deutschen Volkskörpers entsprachen. Aber es gilt auch für die anderen Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts, und dazu gehört der Genozid an den Armeniern ganz sicherlich, der heute vor 104 Jahren seinen furchtbaren Anfang nahm.

Wenn wir uns heute in Deutschland und Europa umschauen, dann scheint es allerdings so, als wären immer größere Teile der Gesellschaften nicht mehr bereit, sich zu erinnern. Nicht an die Menschheitsverbrechen und schon gar nicht an die Ursachen dafür. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass sich ein völkischer Nationalismus in Europa wieder breit macht, der diese Verbrechen erst möglich gemacht hat? Ein völkischer Nationalismus, der auch hier in Deutschland bis weit in die Mitte der Gesellschaft vordringt und dessen Lautsprecher den Holocaust zur lästigen Fußnote der deutschen Geschichte erklären.

Wenn wir über Erinnerung sprechen, sollten wir aber nicht nur an die Verbrechen erinnern, sondern auch daran, wie solche oder ähnliche Verbrechen für alle Zukunft einmal verhindert werden sollten. Wir sollten uns also an auch an das Instrumentarium erinnern, dass Regierungen und Parlamente sich gegeben haben, eben weil sie die richtigen Lehren ziehen wollten aus den Gräueltaten des 20. Jahrhunderts:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ so steht es in Artikel 1 Grundgesetz.

„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Artikel 2 Grundgesetz

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Artikel 3 Grundgesetz

„Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ Artikel 4 Grundgesetz

Warum ich das so ausführlich erwähne? Nein, nicht nur, weil das Grundgesetz dieses Jahr 70 Jahre alt wird. Sondern weil es vor allem diese Grundrechte sind, die gewährleisten sollten, dass sich ein völkischer Nationalismus nicht wieder breit macht, der Menschen aussortiert, weil sie den falschen Glauben, die falsche Herkunft oder die falsche „Rasse“ haben. Es sind vor allem diese Grundrechte, die übrigens für alle gelten, nicht nur für Deutsche. Und die nicht nur in Deutschland gelten, sondern im Kern auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt wurden – und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

„Alle Menschen sind gleich an Würde und Rechten geboren“.

Allerdings scheint es, als seien diese zentralen Menschenrechte beileibe nicht mehr das, was sie eigentlich sein sollten: eine universelle, eine humanistische Selbstverständlichkeit.

Es ist wichtig, heute und hier daran zu erinnern, eben weil diese verfassungs- und völkerrechtlichen Postulate in einer immer größer werdenden Diskrepanz stehen zu den politischen Realitäten, auch und vor allem in Europa. Der chauvinistische, völkische Nationalismus, der gerade wieder sein hässliches Haupt in ganz Europa erhebt, ist nämlich immer ausgrenzend, immer rassistisch, immer freiheitsfeindlich. Weil er sich gegen elementare Grundrechte richtet, gegen das Diskriminierungsverbot, die Religionsfreiheit – ja, und damit natürlich auch gegen die Menschenwürde, die alle Menschenrechte umfasst. Und wenn wir von Europa sprechen, dann reden wir längst nicht mehr über rechtsextremistische Splittergruppen, sondern über Parteien, die immer zahlreicher in Parlamenten und Regierungen sitzen wie in Österreich, Italien, Ungarn oder Polen, und die diesen menschenrechtlichen Konsens aufbrechen wollen, soweit sie ihn nicht schon längst aufgebrochen haben. Weil sie Grundrechte nur noch für ihresgleichen gelten lassen wollen, weil sie Nation immer völkisch homogen definieren. Dass alle Menschen gleich an Würde und Rechten geboren seien, gilt dann nicht mehr; in diesem völkisch-nationalistischen Denken ist die Benachteiligung nach Herkunft, Glauben oder das, was Rasse genannt wird, geradezu konstitutiv.

Was das in der Praxis heißt, sehen wir längst: In Italien, wo viele Flüchtlinge rechtslos gestellt werden, ihnen nicht mal Unterkunft oder eine medizinische Notversorgung garantiert wird. In Ungarn oder Polen, wo die Religionsfreiheit quasi nur noch für Christen gelten soll; keinesfalls aber für Muslime. Und ja, auch in Deutschland, wo immer schärfere Gesetze aus Flüchtlingen Menschen zweiter Klasse machen. Alle „gleich an Würde und Rechten geboren“. Aber manche eben ein bisschen gleicher als andere. Und die anderen ertrinken immer noch im Mittelmeer oder werden von uns in die Folterkeller Libyens zurückgeschickt.
Es ist diese Politik, dieses Denken von einem homogenen Volkskörper, das den Keim der Ausgrenzung und der Ausmerzung in sich trägt. Wohin das führt, hat uns das letzte Jahrhundert gelehrt, als Eugenik, Antisemitismus und Rassismus in diesem Land zur Staatsdoktrin wurden. Wo Menschen erst zu Volksfeinden erklärt wurden, um sie dann zu morden. Und deshalb ist es so wichtig heute daran zu erinnern, worauf auch dieser Staat sich gründet. Und dass der Kampf gegen Nationalismus und Rassismus, gegen Ausgrenzung und Ausmerzung immer und zuallererst ein Kampf für die universellen Menschenrechte sein muss. Wer das nicht begreift, auch der ist am Ende dazu verdammt, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und neue Tragödien, neue Menschheitsverbrechen zu gebären, die zu verhindern unser aller Auftrag sein muss.

25. April 2019|

Domradio.de: Gedenken an die Opfer des Genozids an den Armeniern (Video)

Gedenken an die Opfer des Genozids an den Armeniern

Video anschauen (Domradio)
25. April 2019|

Kölnische Rundschau: Initiative „Völkermord erinnern“ Chorgesänge für armenische Opfer am Mahnmal am Dom

Initiative „Völkermord erinnern“ Chorgesänge für armenische Opfer am Mahnmal am Dom

Artikel lesen (Kölnische Rundschau)
25. April 2019|

Gedenkveranstaltung zum Genozid an den Armeniern am 24. April

Dieser Schmerz betrifft uns alle

In den Jahren 1915 bis 1917 – während des 1. Weltkriegs – wurden im osmanischen Reich weit über eine Million armenischer Kinder, Frauen und Männer systematisch ermordet. Dieser Genozid an der armenischen Bevölkerung geschah auf dem Gebiet der heutigen Türkei. In Deutschland ist nahezu unbekannt, dass Kaiser Wilhelm II. den Völkermord billigte und hunderte deutscher Offiziere das Verbrechen vor Ort aktiv unterstützten. Unter ihnen waren spätere Nazi-Schergen wie Konstantin Freiherr von Neurath, Reichsprotektor von Böhmen und Mähren und einer der Hauptkriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen 1945/46.

Wie auch im vergangenen Jahr begehen wir den Gedenktag in unmittelbarer Nähe zum Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II. an der Hohenzollernbrücke. Das Mahnmal, das dort bereits im vergangenen Jahr errichtet wurde, wird für den Gedenktag erneut vor der Hohenzollernbrücke aufgestellt werden.

Wir erinnern mit unserer Veranstaltung nicht nur an ein historisches Ereignis. Wir wollen darüber hinaus deutlich machen, dass nur eine entschiedene Ächtung der Entwürdigung von Minderheiten und die Einsicht, dass es weder religiöse, nationale noch ethnische Überlegenheit zwischen den Menschen gibt, solche Verbrechen verhindern kann.
–––––––––––––––––––––––––––

➤ Es singen der Komitas-Chor der Armenischen Gemeinde Köln und Krunk-Chor des Vereins Silva Kaputikian e.V.
➤ Wir würdigen die armenischen Opfer und erinnern an türkische Beamte, die sich den Deportations- und Mordbefehlen verweigert haben.
➤ Georg Restle (Leiter des ARD-Politikmagazins Monitor) wird über die aktuelle Bedeutung von Rassismus und Nationalismus sprechen.
➤ ab 13.00 Uhr können bereits Blumen am Mahnmal niedergelegt werden
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Unterstützt von:
– Armenische Gemeinde Köln e. V.
– Silva Kaputikian e.V.
– Verein EL-DE-Haus e.V.
– Katholisches Bildungswerk Köln
– Melanchthon-Akademie Köln
– Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Köln
– KAVOD e.V.
– Lern- und Gedenkort Jawne
– Jugendclub Courage Köln e.V.
– Tüday – Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V.
– KulturForum TürkeiDeutschland
– recherche international e.V.

23. April 2019|
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